Manfred Köhler
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ULRIKE KAISER KOCHT MIT WILDKRÄUTERN WIE LÖWENZAHN UND TEUFELSKRALLE
Von der Wiese
in die Pfanne

Von April bis Oktober streift Ulrike Kaiser aus Lichtenberg im Landkreis Hof über die Wiesen ihres Gartens und pflückt Wildpflanzen wie Margeriten, Vergißmeinnicht oder Klatschmohn. Was andere als bunten Blumenstrauß in eine Vase stecken würden, landet bei ihr allerdings mit weiteren Wildpflanzen wie Löwenzahn, Bärenklau oder Teufelskralle in einem Kochtopf und wird als Salat oder Gemüse zubereitet. Nicht nur sich selbst versorgt Ulrike Kaiser auf diese Weise mit frischen Vitaminen, sondern auch ihren Mann und ihre Kinder Jana und Jan. Wir haben nachgefragt:

Wie kommt es, daß Sie Pflanzen essen, die andere Gartenbesitzer als Unkraut ausrupfen?

In meiner Familie war es schon immer üblich, Pflanzen aus dem Garten für den Speisezettel zu verwenden, gründonnerstags gab es zum Beispiel Brennessel-Spinat, der deutlich mehr Nährwert hat als herkömmlicher Spinat und auch ausgeprägter und interessanter schmeckt. Meine Großmutter erzählte immer, daß früher noch viel mehr Wildpflanzen in der Küche verarbeitet wurden. Aus Neugier habe ich das irgendwann einfach mal ausprobiert.

Aber woher wußten Sie, was eßbar ist und was nicht?

Durch überlieferte Rezepte, die ja seit dem Mittelalter bekannt sind und leider zunehmend in Vergessenheit geraten, und durch Bücher. Bis vor einigen Jahren gab es kaum Literatur zu diesem Thema, aber das hat sich inzwischen geändert.

Wie hat Ihre Familie auf den bereicherten Speiseplan reagiert?

Die haben sofort mitgemacht und waren begeistert. Meine Kinder essen Löwenzahnomelette besonders gerne und verlangen auch immer, daß ich das koche.

Kann man nicht auch an giftige Pflanzen geraten?

Giftige Pflanzen wie die Butterblume sind leicht zu erkennen, wenn man sich ein bißchen auskennt. Das ist wie bei den Pilzen, man muß sich intensiv mit den Wildkräutern beschäftigen, bevor man sie ißt. Auch wir mischen nicht einfach so etwas Unbekanntes bei, sondern ich studiere jede neue Pflanze, erkundige mich in Zweifelsfällen bei Experten und probiere das Gewächs bei Unbedenklichkeit auch erst mal separat in kleinen Mengen, um herauszufinden, wie verträglich es ist und mit welchen der 26 Wildkräuter, die ich zur Zeit verwende, der neue Geschmack harmonieren würde.

Was sollte man beachten, wenn man eines Ihrer Wildkräuter-Rezepte ausprobieren will?

Man sollte sich gründlich informieren und nur Pflanzen verwenden, bei denen man sich sicher ist, daß sie eßbar sind. Man sollte die Wiese, auf der man erntet, immer mal mähen und nur die jungen Triebe verwenden, weil ausgeformte Blätter oft holzig schmecken. Wer keinen eigenen Garten hat, sollte darauf achten, daß in der Nähe der Wiese, auf der er die Kräuter sammelt, keine Hauptverkehrsstraße verläuft oder gedüngt wird.

Infos und Rezepte: 09288/55136, kaiser.ulrike@gmx.net

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dieser Frühlingswiese findet Ulrike Kaiser alles, was sie für ihre Wildkräuter-Rezepte braucht, zum Beispiel Wiesenbärenklau (oben, linke Hand) und (von oben nach unten) Giersch, Knoblauchrauke oder Teufelskralle, ihre Lieblingspflanze. Kurz aufgekocht, mit Salz und Pfeffer gewürzt und in Butter gebacken wird daraus eine köstliche Wildgemüsepfanne (unten).