Manfred Köhler
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Von Grand Junction nach Salina

Die Vielfalt am Highway 50 tritt im Osten von Utah zurück, ohne daß man sie vermissen würde; denn die Hauptattraktion dieses Teils des Mormonenstaates ist so übermächtig, daß andere Eindrücke nur stören würden, lästiges Beiwerk wären im Paradies der Traumlandschaften und Naturwunder. Tagelang könnte man allein durch den Arches National Park streifen. Auch ohne die faszinierenden Steinbögen wäre das Land südlich der Route 50 ausgedehnte Wanderungen wert.

Kaum losreißen kann man sich von Felsformationen, die den Highway auf dem Weg durch Utah säumen, Landschaften, auf die kein Reiseführer hinweist, obwohl sie atemberaubend sind. Durch gigantische Schuppenpanzer aus Stein schlägt sich die Straße ihre Schneise. So manch bekannter Umriß läßt sich in den wild aufgeworfenen Formationen erkennen, hier ein leck geschlagener Tanker, der vor dürren Grasbüscheln in einem Meer gelben Wüstenbodens versinkt, dort gigantische Baumwollflocken, Marshmellos, Sahnehäubchen und dazwischen eine zäher weißer Teig, in den mit einem riesigen Kochlöffel bizarre Schleifenformen gerührt worden sind. Die beiden Fahrbahnen des Highways fräsen sich gespalten durchs Gestein, wie der Reifenabdruck einer engachsigen Monsterwalze wirkt seine Spur durch die Felsenwüste, und man wähnt sich auf einem Transit durch ein fremdartiges Zauberreich.

Die wenige Städte am Wegesrand sind so gut wie ausgestorben. In Cisco, einem Ruinenfeld ganz im Osten Utahs, sollen nur noch zwei Einwohner zuhause sein. Green River wirkt dagegen wie eine geschäftige Stadt, doch verläßt man den Highway 50 und taucht in die Nebenstraßen ein, findet man die gleichen Trümmerhaufen und Rostleichen wie schon in Cisco. Erst mit Salina erreicht man einen Verkehrsknotenpunkt - in Utah die erste Stadt am Highway 50, die nicht mit dem Tode ringt.