Manfred Köhler
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Von Salisbury nach Washington

Was als eine der ersten Siedlungen in Maryland einmal Hauptstadt des Bundesstaates hatte werden sollen, ist heute ein Dörfchen mit etlichen sehenswerten historischen Häusern: Vienna, selbst Generalkarten gerade mal einen Tupfer am Nanticoke River wert, wirkt wie eine Gartenhaussiedlung ohne echtes Zentrum.

Steht man aber vor den historischen Stätten großer Tage, dann spürt man die seltsame Ausstrahlung dieser um ihren Aufstieg zur Metropole betrogenen Stadt. Auch Cambridge und Easton, die mit ihren Ziegelhäuschen und hübschen kleinen Läden entlang des Highways liegen, sind einen Abstecher allemal wert. Nicht entgehen lassen sollte man sich die Einkehr in einen der zahlreichen Seafood-Diners, in denen auch opulente Portionen mit Austern, Lachs und Garnelen niemals teurer sind als 15 Dollar.

Auf dem Weg nach Norden krümmt sich das Land erstmals zu sanften Wellen. Herrenhäuser mit ausgedehnten Parks und stattlichen Portalen machen den Highway zur Prachtstraße. Von der einzigen Brücke über die Maryland spaltende Chesapeake Bay wird die Route 50 über mehrere Inseln zur Hauptstadt Annapolis getragen. Zwischen Capitol und Hafen Stadt erstreckt sich ein Gassengewirr, in dem das alte Fischerdörfchen weiterexistiert, ohne daß es an den Vorteilen eines modernen Zentrums mangeln würde.

War der Highway 50 seit Ocean City schon eine stark befahrene Verkehrsader, so wird er nach Annapolis endgültig zur Monster-Autobahn: Von anfangs vier Spuren dehnt sich die Straße rasch auf bis zu zehn Fahrbahnen aus, schlingt sich auf dem Weg zu Amerikas Hauptstadt Washington durch ein Gewirr von Zubringern, Auf- und Abfahrten. Am Stadtrand von Wohnhaus-Ruinen, Autowracks und Schrott verunziert, später von bombastischen Säulentempeln gesäumt, führt die Route 50 direkt zum Weißen Haus und zu den Monumenten von Washington DC.