Manfred Köhler
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Von La Junta nach Pueblo

Gut 100 Meilen sind es noch von La Junta zu den Rocky Mountains, aber vor der flachhügeligen Weite Ost-Colorados wirken die schneebetupften Felsen zum Greifen nah. Schluchten und steile Klippen, ganze Miniatur-Canyons furchen sich am Wegesrand durch die Präriehügel. Mächtige alte Bäume treiben mit letzter Kraft ein wenig Grün, während die Äste ihrer Kronen schon am Boden verdorren.

Ob in Swink oder Rocky Ford, in Manzanola oder Fowler, in all den kleinen Orten, die der Highway auf seinem Weg nach Westen durchschneidet, reichen sich Verfall und liebevoll bewahrte Westernatmosphäre die Hand zu einem faszinierenden Miteinander. Aufwühlend ist die stolze Traurigkeit mancher Ruine, die Würde ihrer Bewohner. In einer verwüsteten Tankstelle in Avondal legt eine gealterte Bardame an einem Pokertisch Patiencen. Die Spelunke, in der sie auf diesen Lebensabend in Armut hinarbeitet hat, verströmt ihren schlechten Atem wenige Meter weiter am Ortsrand.

Verlassene Farmen folgen, Maisfelder, Hügel, die westwärts zu kleinen Bergen anwachsen. Pueblo nimmt den Ankömmling schon hier in die Arme. Mag die Innenstadt auch noch in weiter Ferne liegen, Tankstellen, Shops und Restaurants gehören schon zum Einzugsgebiet der drittgrößten Stadt Colorados. Selbst der alte Highway 50, der seit Avondale parallel zum Interstate verläuft, bläht sich hier bereits zur vierspurigen Autobahn.

So fährt man und fährt lange durch diese lebendige Kleinstadt am Rande der Rockies, vorbei an Großbaustellen, hinein in eine der wenigen Downtowns am Highway 50, die noch Lebensmittelpunkt sind. Die Bürger Pueblos haben es nicht zugelassen, daß ihre Stadt auf der grünen Wiese in Form von Supermärkten neu gebaut wird. In einer beispiellosen Gemeinschaftsaktion haben sie den historischen Kern als Einkaufszentrum bewahrt. Und das soll erst der Anfang gewesen sein...