Manfred Köhler
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Von Salem nach St. Louis

Salem, Odin, Sandoval, Shattuc, Huey, Carlyle - vor und hinter jeder dieser Ortschaften ist es flach mit Mais. Die Felder sind hier klein und übersichtlich, von Sträuchern begrenzt, von Baumgruppen durchwachsen. Kein Landstrich, über den nicht kleine Farmen mit malerischen Scheunen verstreut wären. Auf deutsche Namen stößt man hier allerorten, Deutsch, indes, spricht niemand mehr. Nicht mal in Germantown, einem kleinen Städtchen westlich von Carlyle, ein wenig abseits des Highways 50, dessen Einwohner fast durchwegs Hannoverscher Herkunft sind. Der gesamte Kreuzweg des Friedhofs ist deutschsprachig, auf den meisten Grabsteinen steht "Hier ruht in Gott" ... Hülsmann, Langenhorst, Albers.

Auffallend viele junge Menschen ruhen hier in Gott, auffallend hoch soll in dieser Stadt der Alkoholkonsum sein. Jugendliche, die nicht bierbedümpelt in den Tod rasen, flüchten vor der drohenden Arbeitslosigkeit in andere Städte. Das Leben war immer schon hart in Germantown. Der Ortschronik ist es eine Erwähnung wert, daß die frühen Bewohner von Schlangen und Eidechsen nicht nur bei der Feldarbeit umzüngelt wurden, sondern ständig auch in ihren Häusern. Wie verheerend die Cholera in Germantown wütete, läßt sich am Friedhof nüchtern abzählen an einem etwas abseits gelegenen, umfangreichen Gräberfeld, das innerhalb weniger Wochen angelegt wurde. Damals rackerten die Bürger überwiegend auf den Feldern, bewässerten Prärie zu fruchtbarem Ackerboden; heute fahren viele Bewohner Germantowns täglich die rund 60 Kilometer nach St. Louis, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Das Land auf dem Weg zum Mississippi bietet wenig Überraschungen: Außer der wunderschönen, sauberen, verschlafenen, kleinen Westernstadt Lebanon, gibt es vor allem Maisfelder zu sehen, später dann das Vorort-Einerlei der Grenzstadt St. Louis, die sich ankündigt mit qualmenden Schloten und einer Dunstglocke über dem im blassen Sonnenlicht glimmenden Gateway Arch.