Manfred Köhler
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Von Vincennes nach Salem

Illinois begrüßt den Highway 50 mit flacher Weite. Der mannshohe Mais ist schon unüberwindliche Blickbarriere, endlos gerade ist die Straße, aber langweilig zu keiner Zeit. Kleine Pumpen schlürfen überall in den Feldern Erdöl, in blauen Flammen brennt daneben das Gas ab, und die Farmhäuser sind sauber und sehenswert. Die Kreisstadt Olney empfängt ihre Besucher mit weißen Eichhörnchen auf blauen Fahnen, Hinweis darauf, daß es die seltenen Albino-Nager nur hier geben soll.

Mit den Bewohnern des kleinen Ortes Noble wenige Meilen westlich teilen sich die Bürger von Olney ein Stückchen alten Highway 50, degradiert zur Nebenstraße 250, seit der neue Highway 50 als großzügige Umgehungsstraße die beiden Orte ausläßt, statt sie zu verbinden. Ein wenig Route-66-Nostalgie weht über der 250: Alte Motels am Stadtrand von Olney sind nur noch Trümmerhaufen, ein früher beliebter und glänzend besuchter Diner dient jetzt als Würmer-Verkaufsstelle für die Angler der Region. Westlich von Noble mündet die 250 wieder in den neuen Highway 50, aber die alte 50 ist damit noch nicht zu Ende. Namenlos und zur Ruine verfallen, streckt sich die Straße, die niemand mehr braucht, noch über viele Meilen neben der neu gebauten Piste. Gras wächst auf der früheren Fahrbahn, Brücken sind mit Barrieren versperrt.

Die neue 50 wechselt unentschieden zwischen zwei- und vierspurig. Eine wohltuende Abwechslung in diesem Teil von Illinois ist es schon, wenn ein Maisfeld endet und die Sicht kurz aufreißt bis zum Horizont, der bald hinter dem nächsten Maisfeld wieder verschwindet. Zwischen Flora und Salem tragen weit geschwungene Hügelchen den Highway auch schon mal einige Meter über das umliegende Flachland. Der Blick wird frei auf so manches im Nirgendwo endende Bruchstück der alten 50.