Manfred Köhler
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Wie Useful zu seinem Ortsnamen kam

Das erste, was Marie in der Regel zum Besten gibt, ist die Story, wie ihr Heimatörtchen Useful zu seinem Namen kam. Wer Glück hat, dem wird anschließend ein Blick in die Kirche des Elf-Einwohner-Örtchens gewährt. Überaus schlicht ist das weiß getünchte Gotteshaus, und es würde Platz für 100 Gläubige bieten, wäre es nicht einsturzgefährdet und obendrein vollgestellt mit Sägeböcken.

An diesem Tag geht es hoch her im Antiquitätenladen von Marie und ihrem Lebensgefährten Adam. Erstmals seit Eröffnung des Geschäfts vor 17 Jahren hält ein Reisebus davor, und ein ganzer Schwarm alter Damen fällt über den unsäglichen Plunder her, den die beiden zu stattlichen Preisen feilbieten. Die Porzellan-Elvisbüste zu 75 Dollar bleibt im Regal, auch das gerahmte Jackie-Kennedy-Illustriertenfoto für immerhin acht Dollar findet keine Käuferin. Aus dem Laden geschleppt werden dagegen staubige Backförmchen, rostige Knöpfe und allerlei Plastikfingerhüte und Schlüssel. Der Bus schaukelt vom Parkplatz zurück auf den Highway 50, Marie und Adam reiben sich die Hände.

Wenn nur die Spenden für die geplante Instandsetzung der Kirche auch so strömen würden... Ob in den 100 Jahre alten Holzwänden jemals wieder ein Gottesdienst stattfinden wird, ist im Augenblick fraglich. Kritische Einwohner Usefuls dämpfen Sammelwut und Renovierungseifer ihrer Mitbürger, denn Useful ist, ob mit oder ohne Kirche, auf dem direkten Weg, zum Geisterdorf zu verkommen.

Sterbendes Nest mit wunderlichen Überlieferungen. Zur Jahrhundertwende hieß Useful noch Crossroads. 1908 aber wurde das Postamt aus dem Wald in die Mitte des kleinen Ortes verlegt, weil man fand, das sei "a more useful place", ein sinnvollerer Standort. Begeistert von dieser Einsicht, verewigte man den Geistesblitz der Amtsverlegung im Ortsnamen: Useful.

Eine Anekdote, an der sich die heutigen Bürger von Useful ein Beispiel nehmen könnten - indem sie ihre Kirche, statt sie vor Ort zu renovieren, nach Linn verpflanzten, einem ohne Zweifel weitaus gedeihlicheren Platz, und das schon deshalb, weil dieses westlich von Useful gelegene Städtchen auf absehbare Zeit nicht auszusterben droht.