Manfred Köhler
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Ausflugsziele

Arbeiten, wo der Pferderücken endet

Hinten das Hochzeitspaar und vorne der Schimmel von hinten. Schwarzweiß total sind solche Fahrten für Mark, aber meistens sitzen ja bunt gekleidete Touristen in seinem weißen Einspänner, um sich durch St. Louis kutschieren zu lassen. Sofern überhaupt jemand Platz nimmt auf den schwarzen Lederpolstern. So manche Nacht hat sich Mark, Kutscher der St. Louis Carriage Co., schon vom Regen durchweichen lassen, ohne auch nur einen Cent zu verdienen. Nur wenn es kälter wird als fünf Grad minus darf er, aus Rücksicht aufs Pferd, die Schicht abbrechen.

Man hat’s nicht leicht als Touristenkutscher in St. Louis. Auf Kundenfang steht man zu fünft auf dem Kopfsteinpflaster der Altstadt Schlange, doch Mark will nie mehr etwas anderes machen. Früher hat er sich als Reitlehrer durchgeschlagen, dann als Streckenführer für Pferdeausflüge. Echte Knochenjobs, die ihm auch kein Auskommen auf Dauer boten. Hätte er nicht die schwarzweiße Kutscher-Livree ergattert, so ahnt er, würde er jetzt am Fließband einer Fabrik malochen. Vor diese Alternative gestellt, will Mark lieber arbeiten, wo der Pferderücken endet - da habe er wenigstens freundliche Menschen hinter sich.

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