Manfred Köhler
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Wo geht’s hier bitte zum Klo?

Fahrstuhlführerin Doris war früher Grundschullehrerin. Jetzt hat sie es meist mit Erwachsenen zu tun, aber ansonsten hat sich für sie gar nicht so viel geändert. Die Fahrt hinauf zur Spitze des Washington Monuments macht sie zu einer Schulstunde in nationaler Architektur. Süß lächelnd, Kinn vorgereckt, Augen halb geschlossen und Beine übereinandergeschlagen, sitzt Doris auf einem Hockerchen und lässt Fakten sprudeln: "Der Grundstein für das Washington Monument wurde am 4. Juli 1848 gelegt, eingeweiht wurde es am 21. Februar 1885. Gekostet hat das knapp 170 Meter hohe Bauwerk aus weißem Marmor 1.187.710 Dollar. Die Breite an der Basis beträgt 16,8 Meter, an der Spitze 10,5 Meter." Und so weiter im singendem Tonfall des Fremdenführers. "Haben Sie noch Fragen?"

Zehn bis zwölf Liftfahrten begleitet Doris pro Stunde, rund 5.000 Touristen bescheren sie und ihre Park-Ranger-Kollegen täglich den wohl schönsten Ausblick auf Washington DC. Einen Mikrokosmos, bevölkert von allen Nationen der Welt, nennt Doris ihren Fahrstuhl. Die Fragen, die ihr aus dem multikulturellen Mikrokosmos entgegenschallen, sind immer die gleichen: "Wann fährt der nächste Bus?" oder "Wo geht’s hier bitte zum Klo?" Das Gefühl, gegen eine aufmerksam lauschende Wand zu reden, erinnert Fahrstuhlführerin Doris am meisten an ihr einstiges Dasein als Lehrerin.

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