Manfred Köhler
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Kleinkrieg der Feuerwerker

Mitten auf der grünen Wiese, im östlichen Teil des Saint Louis Counties, tobt ein Kleinkrieg zweier außergewöhnlicher Spezialgeschäfte. "Sorry, they blocked us!" klagt schon am Highway 50 ein Reklameschild, und am Gebäude der Fireworks World prangt der Satz ein zweites Mal: Tut uns leid, die haben sich direkt vor unserer Nase breit gemacht. Gemeint ist Molly Brown’s Fireworks, ein zweiter Supermarkt für Feuerwerkskörper, der, in der Tat einer Barrikade gleich, vor der alteingesessenen Fireworks World aus dem Boden gestampft wurde.

Hier wie da kann man sein Geld auf tausenderlei Weise verpulvern: mit der "Nuclear-Powered Submarine" zum Beispiel, durch Entzünden der "Devil’s Delight Fountain" oder per "Infra-Red Attack". Neben dem Standardprogramm von Raketen und Knallfröschen bis zur Preis-Obergrenze von 30 Dollar führen beide Supermärkte kleine Ufos, Panzer, Rennautos, Drachen oder Flugzeuge, allesamt aus dünner Pappe gefaltet, bunt bedruckt, über eine dicke Lunte aktivierbar und durch martialisch oder diabolisch klingende Namen angepriesen. Angebot und Preise in den Geschäften gleichen sich, aber in der Fireworks World, der blockierten, geben sich die Kunden die Tür in die Hand.

Managerin Gail hat dafür eine einleuchtende Erklärung: "Die meisten Kunden kommen aus der Region, und die halten eben uns die Treue." Vielleicht liegt der Kundenzustrom aber auch daran, daß die Fireworks World ein weit größeres Angebot an allgemeinen Artikeln führt als der Konkurrent. Nicht nur Zigaretten und Getränke gibt es hier, Gail verkauft darüber hinaus Süßigkeiten, CDs, T-Shirts und sogar Motoröl. Und diese Waren sind es auch, die unentwegt über die Ladentheke gehen; daß Kunden zu Raketen greifen, ist eher die Ausnahme.

Denn natürlich ist auch in Amerika das Feuerwerks-Geschäft saisonabhängig. Die meisten Knallfrösche werden aus Anlaß des Unabhängigkeitstages aus den Regalen genommen, in lauen Sommernächten steigt so manche Rakete bei Parties oder Hochzeitsfeiern in den Himmel, Silvester als Knall- und Spratzeltag rangiert erst an dritter Stelle. Kommt zu einer der drei Gelegenheiten ein echter Feuerwerks-Freak in einen der Supermärkte, kann der Umsatz explosionsartig steigen: Nicht wenige Pyromanen lassen an einem Abend bis zu 1.000 Dollar in Rauch aufgehen.