Manfred Köhler
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Friedhof der Betontiere

Auf dem Weg von Elrod nach Versailles beobachten mit starrem Blick Brontosaurier und allerlei anderes absonderliches Getier den Verkehr auf dem Highway 50. Die bunt bemalten Betonfiguren, die hier auf der Grünen Wiese nicht nur verkauft, sondern auch hergestellt werden, haben in dieser Gegend Amerikas einen ähnlichen Stellenwert wie in Deutschland die Gartenzwerge. Gleich neben der Werkstatt, in der die wachsamen Dalmatiner, betenden Engelchen oder mümmelnden Osterhasen in Formen gegossen und bemalt werden, erstreckt sich ein endloser Friedhof für mißglückte Figuren: Gänse mit abgebrochenen Hälsen, geköpfte Teddybären, Sockel mit Tatzen ohne Körper, alles wüst durcheinander geworfen; eine ausgesonderte Jungfrau Maria steht ein wenig abseits neben einem Fahrrad. Figuren wie sie hier verkauft werden begegnen dem Reisenden oft in dieser Gegend. Sie werden in die Vorgärten gestellt, neben die Häuser, und wem’s ab Fabrik noch nicht kitschig genug ist, der näht für seine Betongänse zusätzlich Kopftuch, Lätzchen oder Schürze.