Manfred Köhler
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Kofferschleppen in Uniform

Die Müßigkeit seines Tuns beschäftigt Bell Captain Vincent wenig. Dieser Kraftakt, auf dem sperrigen Gepäckschiebekarren Tonnen von Koffern und Taschen durch verwinkelte Hotelgänge zu bugsieren, nur um sie Stunden später durch die gleichen Gänge wieder aus dem Hotel hinauszuschieben. Zu arbeiten, ohne ein dauerhaftes Ergebnis zu erzielen, das zermürbt Vincent nicht an seinem Job. Was er hasst, ist Zeitdruck durch zu wenig Personal - Gepäck wuchten im Schweinsgalopp.

Unter dem 35 Jahre alten Bell Captain Vincent arbeiten im Holiday Inn St. Louis sechs livrierte Bellmen, auch Pagen genannt, in zwei Schichten - von 18.30 Uhr bis nachts um drei, von drei Uhr früh bis mittags um halb zwölf. An Wochentagen ein gemütlicher Job; freitags aber, wenn Reisegruppen aus ganz Amerika, aus Kanada, Japan und Australien eintreffen, würde Vincent seine Bellmen und sich selbst am liebsten klonen. An den meisten Wochenenden im Jahr sind die 455 Räume des Hotels überbelegt, die Räder der Gepäckwagen stehen nicht still.

Entschädigt für den periodisch auftretenden Stress fühlt sich Vincent durch die zahllosen Begegnungen mit immer wieder neuen interessanten Menschen, mit Stars und Sternchen aus der Musikszene, Rapern oder Musicaltänzern und -sängern. Das komplette Ensemble von "A Chorus Line" sei schon in seinem Hotel zu Gast gewesen, erzählt der Bell Captain mit einem Lächeln. Noch lieber als im Holiday Inn jedoch möchte Vincent neue Bekanntschaften im eigenen Diner machen. Eine Gaststätte in seiner Heimatstadt St. Louis zu eröffnen, diesen Lebenstraum vor Augen schleppt er täglich Koffer. Mit Sisyphusarbeit etwas erreichen, das von Dauer ist.

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