Manfred Köhler
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Steinernes Gras

Die Wege der Würfel sind unergründlich. Über lange Förderbänder werden die grünen, steinharten Graspakete kreuz und quer über ein weitläufiges Fabrikgelände von einer Halle in die andere transportiert, meterhoch über dem Erdboden, und wo die Fließbänder dicht unter den Dächern der Hallen enden, prasseln die gepressten Mini-Heuballen in die Tiefe und sammeln sich auf haushohen, breit auseinanderlaufenden Haufen.

"Paramount Cubin Company" heißt diese wohl einsamste Fabrik Uthas, und das einzige Produkt der Pressanlage nahe der Stadt Delta sind "Alfalfa Hay Cubes", komprimierte Graswürfel für die Verschiffung der heimischen Heuernte nach Übersee. Um Würfel, wie es der Firmenname "Hay Cubes" vermuten lässt, handelt es sich dabei eigentlich gar nicht. Das glasharte, grünbraun gemaserte Produkt, das täglich zu Abertausenden über die Förderbänder des Fabrikgeländes läuft, ist eher länglich, entstanden aus weitgehend regelmäßigen Bruchstücken in den Komprimierungsanlagen erzeugter Heupress-Stäbe.

Zweifellos sind die  Gras-Steinchen leichter zu transportieren als die gewaltigen Heuballen, die von den Farmern der umliegenden Regionen angeliefert werden. Das Volumen der Hay Cubes, die vom einzigen Mitarbeiter der Fabrik per Bagger von Halle zu Halle geschaufelt werden, verringert sich beim Pressvorgang allerdings kaum. Nimmt man einen der Heuwürfel aus dem unergründlichen Förderbandsystem heraus und legt ihn für einige Stunden in Wasser, bleiben überquellende Heumassen aus: Die steinharte Konsistenz zerfasert, löst sich auf, und das Ergebnis ist - ein Glas Graswasser.

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