Manfred Köhler
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Jäger willkommen, Mörder gesucht

Der Steckbrief hängt direkt neben dem Begrüßungsschild: "Willkommen" und "Gesucht wird..." - Bear’s Place wünscht wohl zu speisen und unterstützt die Suche nach dem mutmaßlichen Entführer und Mörder einer jungen Frau. 25.000 Dollar Belohnung. Über dem grimmig-verkniffen gezeichneten Phantombild des Verdächtigen hockt mit treuherzigem Blick ein Teddybär als Maskottchen der Trucker-Herberge. Bear’s Mountaintop Family Restaurant im Nordosten West Virginias ist anders als andere Gaststätten. Es wirkt wie ein einsamer Stützpunkt inmitten weitläufiger Wildnis, wie ein Kommunikationszentrum für informationshungrige Waldläufer.

In der Tat heißt ein Schild Jäger als Gäste gesondert willkommen. An diesem Tag aber sind Boni Whittaker und ihre Mitarbeiterin allein im Lokal. Leere Barhocker unter der von Stierhörnern gekrönten Thekenüberdachung, die alte Musikbox verstummt. Bären gebe es in den Bergwäldern nicht mehr, beantwortet Boni Whittaker müde lächelnd die Frage nach der Herkunft des Gaststätten-Namens; Bear sei vielmehr der Spitzname ihres Gatten. Eine Information, die nicht ankommt, denn Atmosphäre im Lokal und Laune der Betreiberin verstärken nur das Bild von der verlassenen Schenke, um die nachts die Bären schleichen, und in der mühsam die Hoffnung wachgehalten wird, es möge sich doch endlich mal wieder ein Waldläufer an die Theke verirren. Erst ein Schritt vor die Tür zerstreut diese romantische Vorstellung: Ein Truck nach dem anderen röhrt an Bear’s Place vorbei über die Route 50. Wäre es nicht nachmittags um drei, vor dem Restaurant wäre wohl kein Parkplatz zu bekommen.

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