Manfred Köhler
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Aufstieg nicht ohne Wasserkanister

Die meisten Steinbögen serviert die Natur auf dem Silbertablett: Auto auf dem Großparkplatz abgestellt, kurzer oder auch etwas längerer Spaziergang, und man steht unter einer der grandiosen Felskonstruktionen des Arches National Parks. Warum man, bei dem Überangebot an Naturwundern dieser staatlich geschützten Landschaft, für einen weiteren Arch Strapazen auf sich nehmen sollte, so kolossal, dass der Reiseführer die Mitnahme von Wasser dringend empfiehlt, will zunächst nicht recht einleuchten.

Der Arches National Park ist mehr als nur eine Ansammlung von Felsgebilden, für die gelten könnte: Hat man einige davon gesehen, kennt man auch den Rest. Ganz anders ist es hier. Man muss den Steinbogen-Garten in seiner ganze Vielfalt erlebt haben, von wuchtigen Wänden mit kleinen Fenstern hin zu filigranen Gebilden wie dem papierdünnen, in einem weiten Bogen gespannten Landscape Arch, alle muss man kennen, um offen zu werden für die Botschaft der Arches. In jedem Moment kann hier ein Stein fallen, ein neues Fenster sich öffnen, ein in Jahrhunderttausenden von Regen und Wind aus einem Felsmassiv herausgemeißelter Steinbogen in sich zusammenstürzen, das Bild der Landschaft sich radikal wandeln.

Auch wo keine Arches sich buckeln, ist die Landschaft des Parks in höchstem Maße sehenswert, und die weit verstreuten Felsenwunder abzufahren, zu erlaufen ist ein Erlebnis für sich. Den Marsch hinauf zum Delicate Arch, zum Nationalsymbol des Staates Utah, wird man niemals vergessen. Mindestens einen Liter Wasser pro Person empfiehlt der Reiseführer für den Aufstieg. Wohl dem, der mehr Flüssigkeit bei sich hat!

Zu durchwandern gilt es mehrere Meilen glühender Felsen unter wolkenlosem Wüstenhimmel, meistens stramm bergauf. Nach einer Stunde ist man am Ziel. Ebenso wuchtig wie zerbrechlich thront der Delicate Arch am Rande einer steil abfallenden Klippe, hinter sich Berge bis zu Horizont, vor sich, einer Arena gleich, ein weites, flaches Felsenbecken. Delicate Arch, Triumphbogen, Laune der Natur, Symbol der Vergänglichkeit: heute Felswand, morgen Arch, übermorgen Steinhaufen.

Auch Felsen sind sterblich, das ist die Botschaft der Arches, und man nimmt sie in sich auf voll Ehrfurcht und ein wenig Erschütterung beim Gedanken an all die Kunstwerke in Fels, die nie ein Mensch gesehen hat, die nie ein Mensch erblicken wird.

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