Manfred Köhler
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Von Fairbanks nach Wasilla

Extrem niedrige Temperaturen und schwere Stürme können den Parks Highway im Winter zum Alptraum machen; im Sommer ist die 576 Kilometer lange Verbindungsstraße zwischen Alaskas größten Städten Fairbanks und Anchorage ein Traum. Und das nicht allein wegen Alaskas Riesen Mount McKinley, der bei gutem Wetter fast entlang der gesamten Strecke zu sehen ist - der Parks Highway führt auch durch eine ganze Reihe sehenswerter Ortschaften.

In Nenana, gelegen knapp 90 Kilometer südwestlich von Fairbanks, kann man im Vorüberfahren reich werden. Das gepflegte Eisenbahn-Städtchen veranstaltet ganzjährig ein Gewinnspiel, bei dem es zu erraten gilt, wann im nächsten Frühjahr das Eis auf dem Tanana River aufbricht. Mit Hilfe eines sogenannten Tripods, eines Holzgestells auf dem Eis, wird der Zeitpunkt auf die Minute genau bestimmt. Bis zu 300.000 Dollar sind zu gewinnen. Und noch eine Attraktion hat Nenana: Isabel, die freundliche Elchkuh, kommt immer mal wieder aus dem Urwald zu Besuch, beugt sich durch die Küchenfenster, um Salat oder Kartoffeln zu fressen, und stapft gelegentlich sogar bis ins Wohnzimmer.

Um den Eingangsbereich des Denali National Parks ist aus Hotels, Restaurants und Andenkenläden eine kleine Ortschaft entstanden, Hubschrauber für Rundflüge zum Mount McKinley hocken überall wie Hummeln auf der Wiese. Rund zehn Kilometer darf man über das Besucherinformationszentrum hinaus mit dem eigenen Wagen in den Park fahren; nach einem letzten kleinen Parkplatz blockiert dann eine Schranke die Straße, passieren dürfen nur die Park-Busse - und eine Handvoll Berufsfotografen, die erfolgreich am alljährlichen Lotterieverfahren teilgenommen haben.

So weit man dem Parks Highway auch nach Süden folgt, der Mount McKinley begleitet den Reisenden. Der Berg, so heißt es, hat sein eigenes Wetter. Tatsächlich wirken die Wolken hier vielschichtiger als anderswo: Man sieht sie nicht einfach in einer Linie am Himmel stehen, sie sind in mehreren Ebenen übereinander geschachtelt, ziehen unterschiedlich schnell und in verschiedenen Richtungen, zerfasern zu Fetzen, während sie sich gleich daneben zu dichten Quellwolken aufplustern.

Hinter Cantwell wölbt sich ein Hotel in Form eines gigantischen weißen Iglus vor den Bergen. Über die Hurricane Gulch, einer tief ausgeschnittenen, üppig bewaldeten Schlucht, spannt sich eine 1,2 Millionen Dollar teuere Brücke. Immer wieder führen hier Abzweigungen zu Aussichtspunkten auf den Mount McKinley. An einem davon, bei Meile 147, steht ein Monument zu Ehren der Eskimos, die während des Zweiten Weltkrieges an Alaskas Küsten gewacht haben.

Für viele Meilen hüllt jetzt undurchdringlicher Urwald den Highway ein. Über der Vielfalt von Grüntönen dieses Waldes liegt im Licht der Sonne ein intensiver Glanz. Erst bei Talkeetna wird es wieder belebter. Ein Abstecher in dieses 600 Einwohner kleine Touristen-Städtchen ist die 20 Kilometer Umweg wert. Auf einem Rundweg durch die historischen Holzhäuser kann sich der Besucher selbst erschließen, wie das einst vor sich hindämmernde alte Goldgräberlager seit 1964 durch den Anschluß an den Parks Highway ein Anlaufpunkt vor allem für solche Gäste wurde, die ihren Urlaub mit Jagen, Angeln, Fliegen oder Skifahren verbringen wollen.

Zurück auf dem Parks Highway, gerät der Reisende bald in den Einzugsbereich der Stadt Wasilla. Fünf protzig mit riesigen Gorilla-Figuren oder alten Autos geschmückte Feuerwerks-Verkaufsstände nehmen sich hier auf engstem Raum gegenseitig die Kundschaft weg. Grelle Reklame-Gags sind auch ein Erkennungsmerkmal des engeren Umfelds von Wasilla: Da liegen riesige Hot-Dogs vor Imbißbuden, lebensgroße Elche und Eisbären belauern ein Café, meterhohe Eistüten ragen vor Eisdielen in die Höhe. Auch in der Innenstadt setzt sich der Eindruck fort, daß hier Menschen leben, denen an ihrer Stadt etwas liegt und die daher bemüht sind, zur Verschönerung beizutragen - oder eben zu besonderer Eigenart.

Etwas abseits von Wasilla informiert das Iditarod-Hauptquartier über Geschichte und Hintergründe des 1.700 Kilometer langen Iditarod-Schlittenhunderennens nach Nome. Zwar wird die Startzeremonie jedes Jahr in Anchorage abgehalten; die Zeit aber läuft erst, wenn die Teilnehmer Wasilla passieren, wo 1973 das erste Rennen gestartet wurde.

Wo Wasilla eigentlich aufhört, ist schwer zu sagen. Jenseits des Zentrums bleibt die Straße noch über viele Meilen gesäumt von Tankstellen, Supermärkten und Motels. Auf halbem Weg zwischen Wasilla und Palmer schließlich endet der Parks Highway als Einmündung in den Glenn Highway. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zur größten Stadt Alaskas, nach Anchorage.