Manfred Köhler
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Der Alaska-Highway
von Fairbanks bis Whitehorse

Dicht verfilzter Urwald, Schlamm und Permafrost - die Hindernisse, die dem Bau einer Landverbindung zwischen den Vereinigten Staaten und ihrem 49. Bundesstaat Alaska im Weg standen, waren so gewaltig, daß seit Anfang des Jahrhunderts zwar immer wieder darüber diskutiert, das Projekt aber stets zurückgestellt wurde. Anfang der 40er Jahre mußte es dann von heute auf morgen gehen. Am 7. Dezember 1941 hatten die Japaner Pearl Harbor bombardiert, es galt, einer möglichen Invasion über Alaska zuvorzukommen. Am 2. Februar wurde die Route festgelegt, schon einen Monat später rollten die ersten Baukommandos nach Dawson Creek in British Columbia, wo die Eisenbahnlinie Richtung Norden endete. Zu rein militärischen Zwecken sollte von hier aus ein befestigter Weg bis hoch nach Fairbanks in der Mitte Alaskas gebaut werden. Die Herausforderung war ungeheuerlich - doch der Zeitdruck trieb die Straßenbauer voran. Schon acht Monate und zwölf Tage später war die Piste durch den Urwald geschlagen.

Natürlich konnten die Bauarbeiten mit der Fertigstellung nicht abgeschlossen werden. Regen und Schnee, Wärme und Frost fraßen unentwegt an der Piste, ständig gab es etwas zu verbessern oder wieder herzustellen. 1948 wurde die Strecke für den Zivilverkehr freigegeben, wurde aber im selben Jahr wegen der hohen Zahl von Fahrzeugschäden wieder geschlossen. 1949 war die Straße so weit in Schuß, daß sie abermals eröffnet werden konnte. Schritt für Schritt wurde der Alaska Highway seitdem zu einer modernen Fernstraße mit Tankstellen, Motels und Restaurants ausgebaut.

Der offizielle Beginn des Alaska Highways ist unumstritten: Mile 0 liegt bei Dawson Creek, der Stadt, in der 1942 Baubeginn war. Das offizielle Ende in Alaska nehmen zwei Städte in Anspruch, Delta Junction mit einer Gedenksäule bei Mile 1.422, Fairbanks mit einer ähnlichen Markierung bei Mile 1.523. Tatsache ist, daß 1942 der Alaska Highway nur im Bereich zwischen Dawson Creek und Delta Junction neu gebaut werden mußte; der Streckenabschnitt von Delta Junction bis Fairbanks existierte bereits - als Teil des Richardson Highways, der von Valdez nach Fairbanks führt. Tatsache ist aber auch, daß dieser Richardson Highway heute nur von Valdez bis Delta Junction die Straßen-Nummer 4 trägt und daß sich die Nummer 2, die für den Alaska-Highway vergeben ist, von der Grenze Alaskas bis Fairbanks durchgehend fortsetzt. Denn von Anfang an war Fairbanks als Endpunkt der Straße gedacht.

Wie auch immer, wer den Highway von Alaska aus bis hinunter nach Dawson Creek fahren will, sollte auf jeden Fall in Fairbanks starten. Aber nicht gleich losfahren! Denn Fairbanks und Umgebung, mit rund 85.000 Einwohnern das zweitgrößte Ballungsgebiet Alaskas, sind allein schon einen Urlaub wert. Die Stadt gilt als Tor zum weltberühmten Denali National Park, ist Ausgangspunkt des Dalton Highways, der entlang der Pipeline bis Prudhoe Bay an der Nordküste Alaskas führt - und nicht zuletzt ist auch in Fairbanks selbst eine Menge zu erleben. Der Vergnügungspark "Alaskaland" zum Beispiel gibt in vergnüglicher Form Auskunft über Geschichte und Gegenwart des Staates. Eine originalgetreue Eskimo-Siedlung findet sich dort ebenso wie eine kleine Westernstadt, die aus alten Gründerzeit-Häusern errichtet wurde. Ein wenig abseits von Fairbanks liegt North Pole, die Heimat des Weihnachtsmannes. Ursprünglich sollte North Pole ein Zentrum der Spielzeugindustrie werden; als dieser Plan scheiterte, machten findige Unternehmer einfach ein Weihnachtswunderland daraus. Kinder aus der ganzen Welt schicken jedes Jahr zur Weihnachtszeit ihre Wunschzettel hierher nach North Pole. Antwort erhalten sie vom Nikolaus persönlich, einem Schauspieler, der im "Santa Claus House" für Weihnachtsstimmung sorgt - oder von den Kindern von North Pole, die sich dabei in die Rolle von Elfen versetzen.

Schon auf den ersten Meilen des Alaska Highways, gleich hinter Fairbanks, hat der Reisende die Alaska Range schräg vor sich, ein gewaltiges, weiß verschneites Gebirgsmassiv, zu dem auch der höchste Berg Nordamerikas, der 6.194 Meter hohe Mount McKinley gehört. Weit verstreut sind die Attraktionen von Delta Junction, einem Örtchen mit 700 Einwohnern: das Büffel-Gehege, die Frosch-Farm, das Freilicht-Museum "Rika’s Roadhouse", die Säule "End of Alaska Highway" - auf einer Übersichtskarte mit kleinen Häusern, Tieren, Menschen und einem verzweigten Straßennetz ist alles zu einer kleinen Stadt gebündelt.

Auf langen Geraden und durch dichten Mischwald erreicht der Alaska Highway die Kleinstadt Tok, eine umbaute Straßenkreuzung und ein Tummelplatz von Andenkenläden, Motels und Restaurants. Der Highway 1 Richtung Anchorage zweigt hier ab; und der Taylor Highway, der sich mit dem Top of the World Highway fortsetzt und zur Goldgräberstadt Dawson City führt.

Hinter Tok begleitet ein Wald schwarzer kahler Fichtenstämme den Highway. Acht Wochen lang wütete hier im Sommer 1990 ein Waldbrand. Eine Armee von Feuerwehrmännern aus ganz Amerika und Kanada kämpfte vergeblich, bis an die ersten Häuser von Tok drang das Feuer vor, alles schien schon verloren; im letzten Moment aber drehte der Wind, und die Stadt war gerettet.

Eine schmale Kerbe in der Wildnis ist der Highway hinter Tok, nur alle paar Meilen zeigen einsame Briefkästen am Straßenrand an, daß sich hier Menschen in der Einsamkeit verstecken. Mächtig thronen zur Rechten die Wrangell Mountains mit ihrem Mount Wrangell, dem höchsten aktiven Vulkan Alaskas. Auch wenn man das Bergmassiv schließlich hinter sich läßt, das Land flacher wird - die Natur ist hier überall entlang des Highways grandios.

Jenseits der Grenze zu Kanada trägt der Alaska Highway statt der 2 die Nummer 1. Viele Wohnmobile begegnen hier dem Reisenden, und viele Radfahrer schinden sich durch das weiträumige Hügelland. 5.951 Meter ragt der höchste Berg Kanadas, der Mount Logan, rechts des Highways in den Himmel. In Burwash Landing kann man sich vor der größten Goldwaschpfanne der Welt fotografieren lassen. Von hier ab begleitet der paradiesische Kluane Lake die Straße. In dieser Gegend lebt die größte Grizzly-Population der Welt. Gut sind daher die Aussichten, eines der Tiere direkt am Straßenrand zu beobachten. Aussteigen sollte man auf keinen Fall: Immer wieder werden hier allzu leichtsinnige Wanderer von Bären angefallen und schwer verletzt oder gar getötet.

Ein sehenswertes Relikt kann in Haines Junction besichtigt werden. Ein alter Wellblech-Schuppen aus der Zeit des Highway-Baus wurde 1954 zu einer katholischen Kirche erweitert. Dieses Kirchlein namens "Our Lady of the Way" gilt als das meistfotografierte Gotteshaus in Yukon.

Zwei Möglichkeiten gibt es von Haines Junction aus, Yukons Hauptstadt Whitehorse zu erreichen: den sehr lohnenden Umweg über die Küstenstädte Haines und Skagway, die durch eine Fährlinie verbunden sind - oder den direkten Weg über den Alaska-Highway. Egal welche Route man nimmt, man begegnet überall den Spuren des Goldrausches von 1898. In Whitehorse wurden die verschiedenen Jubiläen in Zusammenhang mit dem Ansturm der Goldsucher bis ins Jahr 2000 hinein gefeiert.

Die Stadt ist entstanden als Verknüpfungspunkt der im Juli 1900 fertiggestellten Eisenbahnlinie von Skagway und der Schiffsverbindung zum Yukon. Auch ihre zweite Boom-Periode erlebte sie als Verknüpfungspunkt eines Verkehrsweges: Whitehorse war während der Bauzeit des Alaska Highways Hauptquartier der Konstrukteure des West-Abschnitts. Von hier aus wurde ab April 1942 die Schneise Richtung Alaska geschlagen. Bei Whitehorse wurde schließlich auch der Westabschnitt mit der Trasse verbunden, die vom Südosten her Richtung Alaska gebaut worden war - und der Alaska Highway damit vollendet.