Manfred Köhler
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Der Goldrausch nach dem Goldrausch

Dem Großvater brachte der Goldrausch nichts ein. Enkelin Tina aber lebt davon - vom Tourismus-Goldrausch, der dem Wettlauf auf die Klondike-Goldfelder Jahrzehnte später folgte. Die quirlige Tina ist seit zehn Jahren Marketingleiterin der White Pass & Yukon Route, einer historischen Eisenbahnlinie, auf der Touristen den Spuren der Goldgräber von Skagway aus bis zum White Pass und zurück folgen können.

Tina, 36 Jahre alt, liebt die Widersprüche ihrer Heimatstadt: originalgetreu restaurierte Westernhäuser und Andenkenläden, historische Wahrheit und phantasie-geschönte Goldrausch-Idylle, dörfliche Beschaulichkeit und Touristenansturm. 700 Bürger hat Skagway; im Sommer quetschen sich täglich 10.000 Besucher durch die Straßen. Disneyland, Zoo oder Zirkus nennen die Einwohner ihre Stadt, meinen damit die schrille Vermarktung der Vergangenheit, meinen aber auch, daß es, wie in einem familienfreundlichen Vergnügungspark, die Schattenseiten des Lebens in Skagway nicht zu geben scheint.

Und genau deshalb möchte hier keiner weg, auch wenn noch so viele Riesenschiffe im Hafen anlegen und noch so viele tausend Touristen in die Stadt entströmen. Denn Kriminalität gibt es in Skagway praktisch nicht. Und die wenigen Einwohner halten gerade wegen der vielen Fremden wie eine Familie zusammen. Außerdem dauert das Gewimmel auch nicht das ganze Jahr: Der Winter bringt für Tina Cyr und ihre Nachbarn lange Monate völliger Ruhe, in denen sie Kraft schöpfen können für den Rummel in der nächsten Saison.