Manfred Köhler
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Versöhnung nach 100 Jahren

Jim war länger Soapy Smith als Soapy selbst es war. Seit 26 Jahren mimt der Schauspiel-Profi den legendären Gangsterkönig Jefferson Randolph "Soapy" Smith. Soapy selbst herrschte nur neun Monate in der damals boomenden Küstenstadt Skagway.

Diese neun Monate während des Klondike-Goldrausches 1897/98 genügten, um den gelernten Seifenhändler Smith zur faszinierendsten Figur in der Geschichte der Stadt zu machen. Soapy war nicht allein Plünderer, Mörder, Tyrann; während seine Bande - die damals größte in ganz Nordamerika - die Dreckarbeit für ihn machte und ein Vermögen zusammenstahl, versuchte Smith, sich durch so manch berechnete Wohltat einen Platz in der ehrenwerten Bürgerschaft Skagways zu erschleichen.

Unter denen, die Soapy Smith durchschauten, war nur einer, der bereit war es mit ihm aufzunehmen: der Landmesser Frank Reid. Solange Smith in seiner Rolle als Gönner noch die Mehrheit der Geschäftsleute hinter sich hatte, gelang es Reid nicht, ihn und seine Gangsterbande aus der Stadt zu jagen. Als Smith aber überführt wurde, Goldstaub geraubt zu haben und sich auch noch weigerte, das Diebesgut zurückzugeben, versammelte Frank Reid eine Bürgerwehr von 100 Mann hinter sich, um mit der Bande aufzuräumen. Tatsächlich machten sich die meisten Gangster davon, doch Soapy Smith trat dem Mob entgegen. Reid und Soapy schossen und trafen gleichzeitig. Während Jefferson Randolph Smith auf der Stelle tot war, dauerte Frank Reids Sterben qualvolle acht Tage lang.

In Zeitraffer wird diese Geschichte seit 73 Jahren in der Eagle’s Hall in Skagway als "The Days of ‘98 Show" für Touristen nachgespielt. Soapy-Darsteller Jim, der die Theatertruppe anführt, ist es auch nach 26 Jahren noch nicht leid, dreimal am Tag niedergeschossen zu werden. Für ihn ist der Showdown immer wieder aufs neue spannend: der grollende Streit zwischen ihm und dem jeweiligen Reid-Darsteller, grelle Platzpatronen-Schüsse, dann Dunkelheit und ein trauriges Abschiedslied von Soapys Geliebter Belle.

Im wirklichen Leben hat die Geschichte inzwischen ein hoffnungsfrohes Ende gefunden. Während sich die Darsteller von Soapy Smith und Frank Reid in der Eagle’s Hall 21 mal pro Woche gegenseitig über den Haufen schießen, reichten sich die Nachkommen von Smith und Reid am 4. Juli 1998, fast auf den Tag genau 100 Jahre nach dem Gemetzel, über den Gräbern die Hand zur Versöhnung.