Manfred Köhler
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Aussteigerin mit Visitenkarte

Sie ist Mama und Papa in einer Person, lacht gern, wenn sie nicht gerade grinst, und erinnert ein bißchen an Sharon Stone. "Wer ist Sharon Stone?" fragt Sheila mit ihrer rauchig-rauhen Stimme. Und zuckt die Schultern darüber, mit einer Filmdiva vergleichen zu werden. Null Interesse an Hollywood.

Für Sheila zählen andere Dinge. Ihr Job als Kranführerin zum Beispiel. Ihre Harley. Ihre Gartenarbeit. Vor allem aber ihr Sohn Isaac.

Für sie ist es wichtig, Anlässe zum Anlaß zu nehmen für Ausgelassenes. Das Jahr, in dem sie 40 wurde und Isaac 10, das war so eine Gelegenheit. Einfach mal herausfinden, wie es wohl in Alaska ist. Zweieinhalb Monate abhauen aus Kansas und hochröhren in den Norden, den Sohn im Beiwagen, den halben Hausrat im Anhänger, das Lederkäppi überm Zopf. Planlos durchs Land gondeln, im Motel absteigen, wenn’s regnet. Die bunten Visitenkarten verteilen an alle, die man am Highway so trifft. Über Kieswege brettern. Überzeugt sein, daß schon nichts schief geht, dem Schriftzug auf dem Motorrad-Tank gemäß: Runnin on Faith.

Alaska mußte es sein, weil der Name etwas Magisches hat. Und weil die Nachbarn das Land empfohlen haben. Kanada hat nichts Magisches und wurde auch nicht empfohlen, also soll’s mit der Durchfahrt bei der Anreise genug sein. Um länger in Alaska bleiben zu können, hat sich Sheila spontan entschlossen, ihre geliebte Harley wegzugeben und den Rückweg per Flugzeug anzutreten. Von Unterwegs aus hat sie zu Hause bereits ein neues Motorrad bestellt.