Manfred Köhler
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Ausflugsziele

Kaffee und Fotos aus dem Schulbus

Der alte Schulbus trägt den Namen "Bluebird Cafe", aber der Name greift zu kurz. Denn nicht nur Kaffeehaus auf Rädern stellt das gelbe Gefährt dar, auch ein hochmodernes Computer-Fotolabor ist darin untergebracht. So ganz nebenbei ist der Bus noch fahrbarer Untersatz für mittlere Weltreisen.

Schon den achten Sommer hintereinander verbringen Karen und Scott aus Salt Lake City in Alaska. Anfangs haben die beiden sich ihren Aufenthalt als Bedienung beziehungsweise Schreiner verdient. Erst vor einem Jahr hatten sie die Idee mit dem Schulbus, richteten ihn mit Kaffeemaschinen und Computern ein und ersannen eine simple, aber einträgliche Doppelstrategie.

Während der Sommermonate in Alaska kurven die beiden zwischen Musikfestivals und Rafting-Flüssen hin und her. Bei den Festivals bereitet Scott für die Musikfans Kaffee und Lasagne, beides wird dankbar abgenommen. An den Flüssen fotografiert Karen mit ihrer Digitalkamera die Wildwasserfahrer, überträgt die Bilder auf ihr Laptop, druckt sie im Bus aus - und kaum ist die Rafter-Truppe am Ziel, kann Karen schon die Fotos der Fahrt vorlegen. Es gibt keinen der patschnassen Touristen, der nicht begeistert sein Bild als Andenken kaufen würde.

Aussehen und Buspendelei lassen Karen und Scott wirken wie rastlose Blumenkinder. Daheim in Utah aber führen sie ein bodenständiges Leben. Er hat einen festen Job als Schreiner, sie eine lohnende Anstellung als Fotografin. Eine Prachtvilla haben sie, in der auch ein Millionär zu Hause sein könnte. Daß sie im Sommer auf das schöne Haus verzichten, es vermieten und monatelang in einem winzigen Anhänger hinter dem Bus schlafen, begründen Karen und Scott zunächst mit der reizvollen Wildnis Alaskas, mit dem weiten offenen Raum dort, entdecken dann aber selbst, daß sie den Kern ihrer Sehnsucht eigentlich nicht erklären können: "Wir sind eben wie die Lachse. Die wissen nicht warum, aber sie müssen einfach zurückkehren."