Manfred Köhler
Romane
Sachbücher
Texte
Lesungen
Kontakt
Links
Ausflugsziele

Eiswürmer mit Augen

Indianerkunst zum Schmunzeln verkauft Shirley Bellmore in ihrem "Little Bird’s Nest Craft Shop". Die Eiswürmer in diesem Laden sind keine kleinen schwarzen Fädchen, wie die echten Gletscherbewohner, sie sind weiß, haben Haare und große Knopfaugen - Shirley Bellmore bastelt sie aus Kaninchenfell. Die putzigen Bürsten, für die einem kein rechter Zweck einfallen will, seien geeignet zur Politur von Glatzen.

Der Kunstladen ist Teil eines Museums, das die Geschichte des Indianerstammes der nördlichen Tutchone erzählt. Boote sind da zu sehen, Gegenstände des täglichen Lebens, viele Fotos, ein mit Ofen und Bett eingerichtetes Trapperzelt. Eine Vitrine fällt auf, vor der steht man recht ratlos und fragt sich, ob Shirley Bellmore ihren Humor auf das Museum hat übergreifen lassen; doch ernst versichert sie, es handle sich um historische Wahrheit.

Das Modell in der Vitrine zeigt auf einem bewaldeten Hügel Indianerfiguren, die mit ihren Speeren ein Mammut bedrohen. Mammuts, so lehrt die Inschrift darunter, seien eines fernen Winters von Gras- zu Menschenfressern geworden. Da sei den Menschen nichts anderes übriggeblieben als sie auszurotten.

Würde Shirley Bellmore in ihrem Kunstladen kleine Mammut-Stofftiere basteln, sie hätten wohl Reißzähne und Klauen.