Manfred Köhler
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Früchte-Frühstück von der Malerin

Wenn Gäste im Haus sind, kommt der Hund ins Schwitzen. Gerade in die Fremdenzimmer im kühlen Kellergeschoß nämlich zieht sich Buffy gerne zurück, wenn es oben zu heiß wird. Da die beiden Doppelbett-Räume der Pension aber oft belegt sind, lümmelt er im Sommer meistens hechelnd in der warmen Küche.

Und das in einer Stadt, die als Eisloch der Nation gilt. In Fairbanks, wo Bonie und Richard zu Hause sind, wird es im Winter schon mal minus 50 Grad kalt. Die Sonnenuntergänge gelten als märchenhaft in dieser Zeit.

Das Nebeneinander von brutaler Kälte und Winterzauber übt eine seltsame Anziehungskraft aus. Nicht erst seit das Paar Anfang der 70er Jahre nach Fairbanks gekommen ist, wächst die Stadt stetig. Natürlich hat das auch mit der Pipeline zu tun, die sich auf ihrem Weg von Prudhoe Bay nach Valdez durch Fairbanks windet; für Bonie und Richard aber sind es Schönheit und Weite des Landes rund um ihre Heimatstadt, die anziehend auf so viele Menschen wirken.

Und sie nicht mehr los lassen. Als Militärarzt war Richard mit seiner Frau nach Fairbanks gekommen. 1972 schied er aus der Army aus und ließ sich in Montana mit einer eigenen Praxis nieder. Doch Alaska, so sagen die beiden, war zu einem Teil von ihnen geworden. Und so kehrten sie bald zurück nach Fairbanks. Richard arbeitete als Kinderarzt, Hobby-Malerin Bonie verbesserte ihren Stil durch Privatstunden und wurde Künstlerin. Ihre Blumen- und Landschaftsgemälde hat sie in den 25 Jahren ihres Schaffens bei vielen Ausstellungen gezeigt und auch verkauft.

Inzwischen geht das Leben einen Gang ruhiger. Die drei Kinder sind erwachsen und nach Anchorage gezogen.  Richard hat sich weitgehend aus seinem Beruf verabschiedet. Bonie malt und betreibt die kleine Pension im Kellergeschoß des Privathauses, bereitet für ihre Gäste jeden Morgen ein Vollwert-Frühstück mit Früchten aus eigenem Anbau, selbstgemachtem Sirup und Waffeln aus einem in Jahrzehnten gereiften Sauerteig. Sind keine Gäste zu bewirten, vertreiben sich die beiden ihre Zeit mit Kartenspielen und Lesen, besuchen Bibelstunden oder nehmen Teil am reichen kulturellen Programm von Fairbanks. Ein Leben, wie es Stadtmenschen überall in Amerika führen.

Daß dieses Stadtleben hier aber von Urwald eingeschlossen ist, daß Fairbanks in einem Land liegt, das wegen seiner Wildheit und Größe Menschen aus aller Welt anzieht, haben die beiden nicht vergessen. Seit Richard im Ruhestand ist, haben sie einen Pakt geschlossen: Jedes Jahr wollen sie künftig einen Teil ihres Staates intensiv erforschen. Der Glacier Bay Nationalpark war es im ersten Jahr der Vereinbarung, dann folgte die Stadt Seward. Der Eifer, sich mit der Identität Alaskas vertraut zu machen, reicht inzwischen über bloße Ausflugsfahrten hinaus. Richard und Bonie aus der Großstadt Fairbanks sind hinaus gegangen in den Busch und haben gelernt, wie man Gold wäscht.