Manfred Köhler
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Aus dem Urwald kam das Findelkind

Tagelang war die kleine Millie an der Straße herumgeirrt und hatte geweint. Nachdem Dan das dritte Mal an ihr vorbeikam, erbarmte er sich und nahm sie mit zu sich nach Hause. 15 Kilo wog Millie damals. Mit viel Milch und Babynahrung päppelten Dan und seine Frau Valerie das Findelkind innerhalb von drei Wochen auf 25 Kilo. Bald wird es so weit sein, daß Millie über den Zaun springen und in den Wald zurückkehren kann.

Conservation Officer Dan aus Haines Junction hat für Elch-Baby Millie ein kleines Gehege mit Sonnenschutz, Futterkrippe und einigen Stoffpuppen eingerichtet. Nicht zum ersten Mal ziehen er und seine Frau ein Elchjunges auf. Obwohl es eigentlich gegen ihre Überzeugung ist. Denn Dan achtet darauf, der Natur nicht ins Handwerk zu pfuschen. Wenn eine Elchkuh also ein Junges verstößt, weil sie Zwillinge geboren hat, dann soll es seiner Meinung eben so sein, daß das Kleine entweder eingeht oder allein durchkommt. Nur weil Millie tagelang nicht in den Wald zurückkehren wollte und einen Unfall hätte verursachen können, hat Dan sie schließlich mitgenommen.

Zu seinem Job gehört die Adoption von Elchen jedenfalls nicht. Seine Aufgabe als Conservation Officer ist es, die Lizenzen von Anglern im Außenbereich des Kluane Nationalparkes zu kontrollieren. Als Adoptiv-Vater macht er sich dennoch gut. Millie knabbert Dan Gras und Blätter aus der Hand, und sie hat ein solches Zutrauen zu Menschen gewonnen, daß sie ihr flaumiges Fell auch von Fremden streicheln läßt und sogar den Kopf hochnimmt, um sich am Hals kraulen zu lassen. Dan indes läßt niemand ins Gehege ohne die deutliche Warnung davor, Millies Freundlichkeit zum Maßstab für alle Elche zu machen. Schon nach einem Jahr wird aus dem weinenden Baby ein Tier geworden sein, das Trapper mehr fürchten als einen Grizzly-Bären.