Manfred Köhler
Romane
Sachbücher
Texte
Lesungen
Kontakt
Links
Ausflugsziele

Fisch mit Fell

Blair sieht seine Freundin nur drei mal im Jahr. Den Rest der Zeit sitzt er allein in seinem Andenkenladen "Alaskan House" am Richardson-Highway ab. 81 Meilen sind es von hier nach Valdez, eine halbe Stunde Fahrt bis Glennallen. Dazwischen: Wildnis. Einsam aber ist Blair nicht. Der Highway spuckt reichlich Touristen in seinen Laden, und die verweilen für mehr als einen flüchtigen Blick, denn die Auslagen mit den üblichen Alaska-Andenken - Schnitzereien, T-Shirts, Schmuck - hat Blair mit allerlei Kostproben seines kantigen Humors gespickt.

Meist veralbert er sich selbst: "Blair on a good day", Blair an einem guten Tag, steht da unter einem aufgerissenen Löwenmaul. Oft hängen die Gags auch wortlos im Raum. Eine Art Alaska-Wolpertinger hat er kreiert, indem er einem Lachs ein Fell übergezogen und ihn an die Wand genagelt hat. So wie er kleine Skurilitäten zwischen seine Waren streut, würzt er auch Antworten auf Fragen seiner Kunden mit seinem kratzbürstigen Charme. Hat er nicht Angst überfallen zu werden, ist es nicht gefährlich so allein? "Warum sollte es gefährlich sein?" fragt er grimmig zurück und hat plötzlich einen Revolver in der Hand. "Warum?" fragt er nochmal und zückt einen weiteren Revolver. "Warum?" und bringt schließlich noch ein Gewehr hervor.

Im Winter kann Blair auf seine Knarren verzichten. Da kommen allenfalls seine Nachbarn mal an seinem Anwesen vorbei. Die Einsamkeit, die dann im Alaskan House einzieht, hat er früher mit seiner Freundin geteilt. Doch sie hatte, obwohl dort geboren, irgendwann genug vom Leben in Alaska, und auch Blair fühlt sich mit 67 Jahren langsam "zu alt, um acht Monate im Jahr Schnee zu schaufeln". Deshalb will er seinen Laden verkaufen und der Lebensgefährtin nach Arizona folgen. Nach 20 Jahren Alaska will sich der gebürtige Washingtoner damit - zumindest klimamäßig - auf sein Traumland einstimmen: Irgendwann will Blair Spalding nach Afrika auswandern.