Manfred Köhler
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Rezensionen 2014

 

***
„Er ist wieder da“ von Timur Vermes:
Lehrstück in Sachen Antiklimax (4.4.14)
Eigentlich war mir die Grundidee zu abwegig, um mich mit diesem Buch überhaupt zu beschäftigen. Wegen des großen Erfolges las ich dann doch mal hinein – und war gefesselt. Wenn man den Unfug ignoriert, dass ein Toter Jahrzehnte später wieder zum Leben erwacht, und sich einfach nur auf die Geschichte einlässt, gerät man in den reinsten Lesesog. In der zweiten Buchhälfte allerdings kühlt die Begeisterung deutlich ab. Irgendwann wird klar, dass der große Knalleffekt ausbleibt. Weder gibt es eine Erklärung für die Wiederkehr Hitlers noch einen Höhepunkt oder gar eine angemessene Auflösung. Das Ende ist so lustlos und banal, dass nichts als Enttäuschung bleibt.

 

*****
„Elementarschaden“ von Roland Spranger:
Ein echter Lesegenuss (26.3.14)
Vom Blitz getroffen zu werden ist ähnlich unwahrscheinlich wie Lotto-Millionär zu werden. Dennoch gibt es nicht wenige Menschen, die von sich behaupten, Blitze regelrecht anzuziehen und immer wieder Ziel eines Einschlags zu sein. Dieses ebenso wundersame wie skurrile Thema hat sich der Glauser-Preisträger Roland Spranger für seinen Roman „Elementarschaden“ ausgesucht und es darin zu einem ungewöhnlichen Krimi verarbeitet. Zu empfehlen ist das Werk aber nicht nur Freunden von Spannungsliteratur. Die pointierte, hoch verdichtete Sprache und der hintergründige Humor machen die Geschichte auch zu einem Genuss für Leserinnen und Leser mit literarischem Anspruch. Spranger erweist sich einmal mehr als exakter Beobachter, er reflektiert kleine Alltags-Erkenntnisse auf erfrischende Art und sorgt damit immer wieder für witzige wie auch nachdenkliche Aha-Erlebnisse. Damit fesselt „Elementarschaden“ auf widersprüchliche Weise: Einerseits fiebert man der Auflösung entgegen, andererseits will man verweilen und den Lese-Augenblick auskosten. Fazit: treffend, ironisch, kein langweiliger Satz – verdiente fünf Sterne.

 

****
„Sturmtochter“ von Molly Jackson:
Irreführender Titel (18.3.14)
Spannende Familientragödie, die ein bisschen was von allem enthält: Armut und Reichtum, große weite Welt, Heimatidylle, Freundschaft, Neid, Eifersucht, Verbrechen und actionreicher Showdown. Allerdings wird am Anfang etwas zu viel Wert auf das Geheimnis hinter allem gelegt und zu wenig auf den Konflikt. So ist man nahe dran, das Handtuch zu schmeißen, als die Handlung nach dem Einführungsteil von der Gegenwart in die Vergangenheit springt. Gerade hier lohnt es sich aber, dran zu bleiben, denn genau jetzt geht die Geschichte erst richtig los. Wirklich zu beklagen an diesem Buch ist nur eins: der völlig irreführende Titel. Denn um eine junge Frau geht es eigentlich nur am Rande – im Zentrum des Romans steht eine Jahrzehnte währende Männerfeindschaft.

 

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„Hannas Wahrheit“ von Kerstin Rachfahl:
Leider stellenweise zu gefühlsduselig (17.3.14)
Fängt spannend an, verliert sich aber bald in ausufernden Beziehungs-Weinerlichkeiten. Etwas weniger Kopflastigkeit, dafür mehr Handlung, und man hätte einen durchgängig spannenden Thriller. Dank starker Grundidee, fundierter Beherrschung des Themas und gutem Erzählstil trotzdem drei Sterne.

 

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„Alles Mythos!“ von Karin Schneider-Ferber:
Fülle überraschender Fakten (19.2.14)
Grandiose Mittelalter-Entmystifizierung mit einer Fülle überraschender Fakten und spannend wie ein historisches Epos. Aufbau und Themenwahl werden nur noch vom glänzenden Stil der Autorin übertroffen. Für Mittelalter-Interessierte eine ebenso lehrreiche wie packende Zeitreise in eine Welt, die der unseren gar nicht so unähnlich gewesen zu sein scheint.

 

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„Der Zorn des Skorpions“ von Lisa Jackson:
Eigentlich unterdurchschnittlich (13.2.14)
Grundsätzlich spannend, aber mit großen Stil-Schwächen oder einfach nur schlecht übersetzt. Die Art, wie die Autorin penetrant ihre eigenen Figuren beschimpft, geht einem mit der Zeit auf die Nerven und weckt sogar Widerspruch zugunsten des Schurken. Am schlimmsten aber ist das endlose Wiederkäuen der Vorgehensweise des Täters. Muss man wirklich alle paar Seiten ausführlich wiederholen, dass er sie an Bäume bindet und erfrieren lässt? Der unaufmerksamste Leser dürfte das noch vom Klappentext wissen und spätestens nach der ersten vor übertriebenem Mitgefühl triefenden Wiederholung endgültig kapiert haben. Für eine Bestseller-Autorin ist die Machart dieses Thrillers unterdurchschnittlich. Nur die Tatsache, dass die Spannung nicht durchhängt und die Auflösung halbwegs gelingt, rettet den dritten Stern.

 

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„Schwiegertochter auf Türkisch“ von Askim Utkuseven:
Einfach nur zum Schmunzeln (8.2.14)
Eine frisch gebackene Schwiegertochter trickst ihre raffgierige Schwiegermutter aus. Humorvolle Begegnung mit der türkischen Kultur und Lebensweise. Nett geschrieben und mit doppeltem Schlussgag. Einfach nur zum Schmunzeln.

 

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„Trottelfallen“ von Siegbert Scheuermann:
Humorvoll und kurzweilig (27.1.14)
Wenn ein Ratgeber auch nur eine Erkenntnis enthält, die ebenso neu wie praktisch anwendbar ist und das Leben positiv verändert, dann hat sich das Lesen schon gelohnt. Der Verfasser bietet in diesem Büchlein eine ganze Reihe von Einsichten, die nachdenklich machen, und darüber hinaus einen glänzend geschriebenen Text, den man gerne auch zweimal liest. Seriös, humorvoll und kurzweilig – ein E-Book, bei dem es sich lohnt, eine To-do-Liste zu erstellen. Hundertprozentige Empfehlung.

 

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„Tödliches Vertrauen“ von Jutta Wölk:
Fiese Überraschung (10.1.14)
Wer allzu verzweifelt nach der Liebe fürs Leben sucht, zahlt mitunter einen hohen Preis, wenn er es bei der Partnerwahl komplett an Umsicht mangeln lässt. Diese Erfahrung muss das Opfer in diesem Thriller von Jutta Wölk auf übelste Weise am eigenen Leib durchmachen.
In ihrer naiven Vertrauensseligkeit kommt die Hauptfigur durchaus sympathisch rüber. Und so finster der perverse Sadist auch geschildert wird, der ihr im Internet auflauert, aus seiner Perspektive erscheint sein Handeln nur folgerichtig, und man leidet sogar ein bisschen mit ihm bei allen Widrigkeiten, die auch er auf dem Weg zu seinem Ziel durchzustehen hat.
Aus der Sicht der Akteure zwar, aber in sachlichem Ton geschildert, erwächst das Grauen in dieser Geschichte allein daraus, wie das Opfer in die Falle gelockt und dort dann behandelt wird. Auf übertriebene Leidensbekundungen wird dabei ebenso verzichtet wie auf Schockeffekte.
Und so trifft, nach drei Kapiteln, die zunächst aus Sicht von Opfer, Täter und der Konfrontation bestehen, die fiese Schluss-Überraschung die Leserinnen und Leser um so unvorbereiteter und härter.
„Tödliches Vertrauen“ ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle, für die man starke Nerven braucht – und bei der man besser nicht hoffen sollte, dass für die Guten am Ende auch alles gut ausgeht.

 

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„Ashby House“ von V.K. Ludewig
Thema verfehlt (2.1.14)
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, kein Buch zu beurteilen, das ich nicht ganz gelesen habe, und Autoren niemals mit Ein-Sterne-Rezensionen abzustrafen. Gegen beide Regeln verstoße ich bei diesem Ebook ganz bewusst, denn weder ist ein Stern hier ungerechtfertigt noch muss ich das Buch ganz lesen, um ihn zu vergeben. Angepriesen wird ein Schauerroman im Stil alter englischer Gruselgeschichten, Titelseite und Leseprobe bestätigen diese Erwartung. Aber kaum ein paar Seiten über die Leseprobe hinaus, wird aus der vermeintlichen Spukgeschichte ein Porno der übelsten Sorte. Ich will solche Stoffe wohlgemerkt nicht verurteilen, aber man sollte vorgewarnt werden, was auf einen zukommt. Bei einem Gratis-Download ärgert man sich da nur über die Zeit, die man für den Einstieg verschwendet hat, aber diese Geschichte wird auch als Taschenbuch für immerhin 9,95 Euro verkauft. Daher eine deutliche Warnung: Wer der Inhaltsangabe vertraut, das Geld bezahlt und sich auf eine Gruselgeschichte freut, wird auf jeden Fall bitter enttäuscht.

 

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