Manfred Köhler
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IM EINSATZ MIT DEN
RETTUNGSTAUCHERN DER DLRG
350 Stunden unter Wasser

Wenn die Badesaison endet und die Temperaturen in den Gewässern der Hofer Region für Schwimmer unangenehm frisch werden, dann steigt die Zahl der Übungseinsätze für die DLRG-Rettungstaucher. Denn während es im Sommer in den 45 Kilo schweren Taucheranzügen heiß wie in einer Sauna werden kann, fühlt man sich im Winter darin pudelwohl – und zudem verbessert sich die Sicht unter Wasser nach dem Ende der Badesaison deutlich.

Alexander Brandt hat schon über 500 Tauchgänge absolviert und dabei über 350 Stunden unter Wasser verbracht. Der 34jährige Lichtenberger Elektroinstallateur ist stellvertretender technischer Leiter des DLRG-Bezirksverbandes Oberfranken und Leiter des Ortsverbandes Bad Steben - Lichtenberg. 1.600 Stunden jährlich ist er im Rahmen dieser Funktionen ehrenamtlich im Einsatz. Obwohl seine Frau Simone sich in seinem Ortsverband  als stellvertretende Jugendleiterin engagiert, sind die beiden doch an 35 von 52 Wochenenden im Jahr getrennt.

Allein die Begeisterung für das Tauchen ist es nicht, was Alexander Brandt zu einem derartigen Einsatz motiviert. Sein Idealismus speist sich aus mehreren Quellen: Er ist technisch interessiert, er schätzt die DLRG-Kameradschaft und liebt den Umgang mit Menschen - und er möchte im Bereich Prävention wirken und dazu beitragen, das stark rückläufige Interesse der Bevölkerung am Schwimmen neu zu wecken.

Wie so viele Mitglieder kam auch Alexander Brandt über einen Schwimmkurs zur DLRG. 1991 erwarb er den Lehrschein für Rettungsschwimmen, 1993 wurde er technischer Leiter des Ortsverbandes Bad Steben - Lichtenberg, und seit 2000 ist er stellvertretender technischer Leiter der oberfränkischen DLRG.

Der DLRG-Bezirksverband Oberfranken ist gegliedert in 26 eigenständige Ortsverbände. Davon finden sich allein in Hochfranken ganze zehn: Hof, Lichtenberg, Helmbrechts, Münchberg, Schwarzenbach, Oberkotzau, Wunsiedel, Weißenstadt, Marktredwitz und Selb. Als stellvertretender technischer Leiter ist Alexander Brandt oberfrankenweit speziell für die Ausbildung zuständig. Lehrgänge, organisatorische Tätigkeiten und Verwaltungsaufwand machen 75 Prozent seiner Tätigkeit für die DLRG aus. Der Rest ist eigene Weiterbildung, Training und Kameradschaftspflege.

297 Mitglieder hat die Ortsgruppe von Alexander Brandt, die Informationsveranstaltungen für künftige Rettungstaucher sind von jungen Leuten gut besucht. Wer sich für die Laufbahn interessiert, kann sich über Rettungsschwimmausbildung, Schnorcheltauch- und Sporttauchausbildung hocharbeiten. Die sich anschließende Einsatztauchausbildung führt über drei Stufen hin zum Rettungstaucher, der bis zu 30 Meter tief tauchen darf – tiefer nur in äußersten Notfällen. Denn ab 40 Meter beginnt die Gefahr eines Tiefenrausches, dem nur mit einem speziellen Gasgemisch begegnet werden könnte.

Folgenschwere Einsätze gab es in den Gewässern der Region in jüngster Vergangenheit zum Glück kaum. Vier Jahre liegt ein Todesfall durch Herzinfarkt am Lichtenberger See zurück, vor zwei Jahren wurde eine Leiche aus dem Weißenstädter See geborgen, im vergangenem Jahr gab es einen Ertrunkenen in einem Weiher in Münchberg. Womit es die Rettungstaucher meistens zu tun haben, ist Schrott: Nicht nur Flaschen, Dosen und Angelschnüre werden aus den Gewässern gezogen, sondern auch Fahrräder und sogar ganze Rasenmäher. Dank der Rettungstaucher verschwindet der Sperrmüll, bevor er ernsthaften Schaden anrichten kann: Die Wasserqualität in der Hofer Region gilt nach wie vor als hervorragend.

Die Sicht unter Wasser unterscheidet sich jedoch von Gewässer zu Gewässer, erzählt Alexander Brandt. Während man im Lichtenberger See die Hand vor Augen nicht sieht, gibt der Untreusee einen Meter Sicht her, der Förmitzspeicher wegen größerer Tiefe auch noch mehr. Kurios sei die Situation in Steinbrüchen, in denen die DLRG nur mit Genehmigung tauchen darf: Aus glasklarem Oberflächenwasser heraus können in einiger Tiefe meterdicke, völlig undurchsichtige Schichten aus Schwebstoffen auftreten – während darunter bis zum Grund wieder völlig klare Sicht herrschen kann.

Im Winter wird die Sicht auch in den Badesseen klarer. Selbst dann, wenn es so richtig kalt ist und sogar ein Loch ins Eis gesägt werden muss, um überhaupt ins Wasser gelangen zu können, genießen Alexander Brandt und seine Kameraden das Tauchen. Herrlich seien die Ruhe und das Gefühl des Schwebens. „Wenn ich mal so richtig Stress habe“, sagt Alexander Brandt, „dann kann ich mich beim Joggen und Tauchen am besten entspannen.“

Die DLRG-Ortsgruppe Lichtenberg / Bad Steben bietet jeden Montag von 19 bis 20.45 Uhr in der Therme Bad Steben ein Schwimmtraining mit Fachausbildung an. Interessierte sind jederzeit willkommen.

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Haben über 350 beziehungsweise 80 Stunden ihres Lebens unter Wasser verbracht: die Rettungstaucher Alexander Brandt (links) und Hans Hartmann.

Wichtig: Alle Reißverschlüsse müssen korrekt zugezogen sein, damit kein Wasser in den Anzug eindringt.

Die Ausrüstung eines Rettungstauchers wiegt insgesamt 45 Kilo. Im Sommer und an Land schwitzt man darin wie in einer Sauna.

Die Einsatzkräfte am Ufer stehen mit dem Taucher über ein Telekommunikationskabel in ständigem Kontakt.

Hans Hartmann vor seinem Tauchgang: An diesem Tag wird er eine alte Flasche und Reste einer Angelschnur aus dem Lichtenberg See ziehen. Zuweilen holen die Rettungstaucher aber auch schon mal Fahrräder, Autoreifen und sogar ganze Rasenmäher aus dem Wasser.

Die DLRG ist die größte freiwillige Rettungsorganisation der Welt und mit mehr als 900.000 Mitgliedern flächendeckend in der Bundesrepublik vertreten. Die Ortsverbände in Bayern werden bei der Neuanschaffung von Geräten zwar staatlich gefördert, aber Wartung und Pflege muss aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert werden.