Manfred Köhler
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ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DES BILDBANDES  „HIGHWAY 50”

Einmal durch ganz Amerika

Schreiend reißt der Gesetzlose an den Handschellen, flucht und spuckt, tritt um sich. Eine Gerichtsverhandlung verlangt er - vergeblich: Mit brutalen Stößen treibt der Sheriff den tobenden Gefangenen die Stiegen hoch zum Galgen, zurrt ihm den Strick um den Hals und lyncht ihn.

Eine gespielte Hinrichtung in der Touristen-Westernstadt Buckskin Joe, Colorado. Einer unserer ersten Eindrücke am Highway 50. Hier am Fuß der Rocky Mountains, mitten in Amerika, sind wir eingestiegen in diese Straße, die sich von Küste zu Küste streckt. Im Auftrag von United Soft Media München sollen wir die 3.073 Meilen des Highways fahren und unsere Erlebnisse für eine CD-ROM dokumentieren: Erika und Klaus in Bildern und Filmen, ich in Texten. Sechs Wochen Urlaub am Stück sind für keinen von uns drin, wir teilen die Reise in zwei Etappen, Juli und Oktober 1996. Eine Fahrt durch die Rocky Mountains im Herbst könnte im Schnee stecken bleiben, also zäumen wir den Highway von der Mitte auf.

Es gibt noch einen anderen Grund, warum wir in La Junta starten und nicht an der Ostküste: In dieser Stadt im Herzen Colorados ist Doyle Davidson zu Hause, ein Mann, der den Highway 50 zigmal gefahren ist, der die transkontinentale Straße wie kein zweiter kennt. Sein Rat ist für unser Projekt unschätzbar.

Und Doyle tut noch mehr für uns: Er fädelt ein Live-Interview mit dem regionalen Radiosender und drei Zeitungsinterviews für uns ein. In einem Radius von 400 Meilen werden wir am nächsten Tag als „German Filmmakers” erkannt, immer wieder auf der Straße angesprochen und auf Besonderheiten am Highway 50 aufmerksam gemacht. Tür und Tor öffnet uns auch ein Brief, den der Highway-Experte uns als eine Art Allzweck-Eintrittskarte mit auf den Weg gibt.

Doch auch ohne Zutun von Doyle Davidson geraten wir immer wieder an interessante Geschichten. Da ist zum Beispiel Betty Wesley, die als Filmschauspielerin schon an der Seite von Richard Chamberlain oder Paul Hogan gedreht hat und jetzt in einem wiederaufgebauten Westernfort bei La Junta als Park Rangerin im historischen Kostüm Touristenführungen wie Theateraufführungen gestaltet; da ist der alte Sattelmacher Bob Schwandt, der 30 Jahre lang Cowboy war, dessen Daumen bei einem Rodeo abgerissen und vor seinen Augen von einem Hund gefressen wurde; und da sind vor allem die Raubeine in der Wüste Nevadas, die uns mit ihrer Gastfreundschaft förmlich verschlingen, die uns mit Würsten mächtig wie Keulen mästen und den Unabhängigkeitstag, uns zu Ehren, mit Dynamit feiern.

Aufgewühlt und begeistert von dieser Straße kehren wir nach Deutschland zurück. Die Ernüchterung ist groß: Unser Auftraggeber, USM-Chef Michael Fleissner, war unterdessen selbst auf dem Highway 50 unterwegs - allerdings ausgerechnet im Einzugsbereich von Washington DC, wo sich die 50 als Monster-Autobahn mit bis zu zehn Fahrspuren durch ein Gewirr von Zubringern, Auf- und Abfahrten schlingt. Ob die CD produziert wird, ist plötzlich mehr als ungewiss. Brainstorming in München. Fleissner und sein Lektor Dr. Harro Schweizer begutachten das Bildmaterial, lesen erste Textentwürfe - und stehen wieder voll hinter dem Projekt. Sogar von einem Bildband begleitend zur CD-ROM ist jetzt die Rede.

Im Oktober 1996, knapp drei Monate nachdem wir den Highway 50 von der Mitte bis zum Ende befahren haben, stehen wir am Anfang der transkontinentalen Route - in Ocean City, Maryland. Ein wenig mulmig ist uns schon: Viele Regionen im mittleren Westen Amerikas sind bekannt für ein endloses Einerlei brettebener Maisfelder, durch die sich kurvenlose Straßen strecken. Was, wenn wir mit allenfalls durchschnittlichem Material zurückkommen? Doch vom ersten Tag an erweist sich der Highway 50 auch im Osten als landschaftlich reizvoll und als eine Fundgrube spannender Themen.

An die außergewöhnlichsten Geschichten geraten wir meist durch Zufall.

In der Mega-Touristenstadt Ocean City, durch die jährlich 350.000 Urlauber geschleust werden, wählen wir unter Dutzenden von Restaurants ausgerechnet das Lieblingslokal des Bürgermeisters, werden ihm vorgestellt und gleich ins Rathaus eingeladen.

In Washington werden wir von einem Donnerschlag aus dem Schlaf gerissen. Ein Sprengstoff-Attentat? Nein: Eine Mauer unseres Motels ist eingestürzt und hat einen nagelneuen Ferrari unter sich begraben.

In West Virginia frühstücken wir in einem Lokal, das just an diesem Tag eröffnet wurde, und zwar von einem Mann, der nach 30 Jahren als Leichenbestatter keine Toten mehr sehen konnte - und sein Hobby Kochen zum Beruf machte.

In Indiana geraten wir mit einer Gruppe Amish People ins Gespräch, Anhängern einer Religionsgemeinschaft, die ein Leben wie vor 200 Jahren führt und sich grundsätzlich nicht fotografieren lässt. Klaus und Erika aber dürfen die Amish-Farmer bei der Feldarbeit sogar filmen.

Im Capitol von Jefferson City, der Hauptstadt Missouris, bitten wir um Informationsmaterial - und werden von der Sekretärin eines der Abgeordneten gleich ins Arbeitszimmer des Gouverneurs geführt.

Jeder einzelne Tag der Reise bringt uns neue, außergewöhnliche Eindrücke: Wir erleben den Kleinkrieg zweier Supermärkte für Feuerwerkskörper, lauschen bluttriefenden Westernlegenden, schleichen uns an Büffel in freier Wildbahn heran und streifen durch Geisterstädte und verlassene Häuser am Wegesrand. Nach drei Wochen stehen wir wieder in La Junta, Colorado, dem Ausgangspunkt unserer ersten Reise. Wir aktivieren den Selbstauslöser vor dem 50-Schild, an dem wir Monate zuvor ein Video-Interview mit Doyle Davidson aufgezeichnet haben. Amerika ist durchquert, der schönste Teil des Auftrags liegt hinter uns - jetzt beginnt die eigentliche Arbeit.

Kaum zurück in Hof, stürzen wir uns in die Auswertung des Materials. Aus 7.000 Dias gilt es eine Vorauswahl von 1.000 Aufnahmen zu treffen. Klaus sichtet viereinhalb Stunden 16-mm-Film und die gleiche Menge an Videoaufzeichnungen und schneidet die Filme auf die erträgliche Länge von einer Stunde zusammen. Erika wertet drei Seesäcke voll touristischen Materials aus, das wir unterwegs gesammelt haben, und fasst es in monatelanger Kleinarbeit auf 300 Seiten zu einem Infoteil der CD-ROM zusammen. Ich selbst schreibe in zwei Monaten aus rund 350 Seiten handschriftlicher Notizen 71 Geschichten und 25 Streckenbeschreibungen als Textgrundlage für die CD-ROM und den Bildband, der inzwischen beschlossene Sache ist.

Dann kommen Verlags-Chef Fleissner, Lektorin Martina Roth und zwei CD-Programmierer nach Hof, um sich die Filme und Dias zeigen zu lassen und meine Texte entgegenzunehmen. Wir treten in die zweite Phase der Produktion ein. Klaus fährt nach Hamburg, wo er in einem Filmstudio vor Bluescreen die Anmoderationen für bestimmte Themen der CD-ROM spricht. Für mich beginnt die Arbeit an den Specials der CD-ROM, an visuell attraktiv aufgemachten, am Highway 50 orientierten Sonderthemen über Cowboys, Outlaws, Eisenbahnbau, Goldrausch oder Nationalparks, für die es ebenfalls Dutzende von Texten zu formulieren gilt.

Das Spektrum der Geschichten und Bilder, es ist so vielfältig wie Amerika selbst. Besonders stimmungsvoll und sehenswert aber sind die Aufnahmen eigentlich unscheinbarer Details, malerischer Rostlauben am Straßenrand, verfallener Streckenabschnitte. Gerade über solchen Fragmenten liegt der Zauber des alten Amerika, und man findet viele ähnlich romantische oder auf andere Art faszinierende Fleckchen am Highway 50, vor allem auch in alten Saloons und Tante-Emma-Läden. Eine Straße der Vielfalt ist dieser Highway und weit mehr als eine Verbindungsstrecke von Küste zu Küste. Auf dieser Hauptstraße Amerikas ist der Weg das Ziel, und das Ziel heißt: mit allen Sinnen eintauchen in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

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UNTERWEGS AUF DER ROUTE 50

Stempel sammeln in der Mitte des Nirgendwo

Der transkontinentale Highway 50 gehört zu den vielfältigsten Reiserouten Amerikas. Auf seinen 3.073 Meilen vom Ostküstenbadeort Ocean City, Maryland, nach San Francisco, Kalifornien, durchquert er einige der überwältigendsten Landschaften und sehenswertesten Städte der USA. Einen besonderen Reiz hat der Highway 50 in Nevada: Hier gilt er als die einsamste Straße Amerikas.

„Dank Ihrer Tapferkeit und Ihres ausgeprägten Orientierungssinns haben Sie einen der letzten unbefestigten Pfade des alten Westens gemeistert. Obwohl wir sicher waren, dass Sie es schaffen, war uns doch zuweilen bange. Nun können wir Ihnen gratulieren: Sie haben es überlebt, den Highway 50, die einsamste Straße Amerikas gefahren zu sein.” Diesen Text auf einer Urkunde und dazu Anstecker, T-Shirt, Schirmmütze und Aufkleber - damit belohnt der Staat Nevada Reisende, die sich in den Städten Ely, Eureka, Austin, Fallon und Fernley mit „I survived”-Stempeln ihren „Überlebenskampf” auf der 400 Meilen langen Wüstentour beglaubigt haben lassen.

Die augenzwinkernden Anspielungen auf die Verlassenheit der Strecke entlang des früheren Pony Express Trails sollte man nicht als bloße Ironie abtun: Wem zwischen Eureka und Austin der Sprit ausgeht, der ist in echten Schwierigkeiten, und wer spätnachmittags von Austin aus auf Campingplatzsuche geht, kann sicher sein, nicht vor Mitternacht in den Schlafsack zu kriechen. Die wenigen Ortschaften hier, „in der Mitte des Nirgendwo”, sind wie bewohnte Westernfilm-Kulissen, in den Saloons wird gesoffen, geflucht und auf den Boden gespuckt. Die Gastfreundschaft dieser Raubeine ist alles verschlingend, unausweichlich, von einer aggressiven Herzlichkeit, beängstigend und rührend zugleich.

„Loneliest Road in America” - für den Staat Nevada trifft dieses Prädikat ohne Zweifel zu. In den meisten anderen der übrigen elf US-Bundesstaaten, die der Highway 50 durchquert, ist er ein Tummelplatz der Attraktionen, und gerade dort, wo die Straße beginnt, ist sie alles andere als einsam: Für den Ostküstenbadeort Ocean City mit seinen gigantischen Amüsierbetrieben ist der Highway 50 Haupteinfallstor für die Touristen aus dem Einzugsgebiet um Washington.

Amüsierstraße ist der Highway auch im westlichen Teil des St. Louis Counties, vorbei führt er am Vergnügungspark „Six Flags”, am Weihnachtswunderland „Santas Magical Kingdom” und an zwei im Dauerclinch liegenden Supermärkten, die mit der angeblich weltgrößten Auswahl an Feuerwerkskörpern prahlen. Einen vierten Höhepunkt gibt es hier ganz umsonst: Der Highway 50 vereinigt sich für wenige Meilen mit der weltbekannten Route 66.

Auch Reisende, die auf Spurensuche sind und das wahre Amerika abseits schriller Touristenattraktionen kennenlernen wollen, kommen auf dem Highway 50 voll auf ihre Kosten. Eines der Juwelen dieser Straße ist Bent’s Old Fort bei La Junta, Colorado, eine originalgetreu rekonstruierte Handelsstation, hinter deren Lehmmauern Schauspieler in historischen Kostümen Situationen nachleben, wie sie vor 150 Jahren, in der großen Zeit dieses Wild-West-Forts Alltag gewesen sein mögen. Gerade in Colorado bietet der Highway 50 für jeden etwas. Bis zur Grenze von Utah ist die Straße gesäumt von Touristen-Magneten wie der Royal-Gorge-Bridge oder der Western-Filmkulisse Buckskin Joe, von sehenswerten Städtchen wie Salida oder Gunnison, von grandiosen Berglandschaften wie am Monarch Pass, wo der Highway 50 die kontinentale Wasserscheide Amerikas überwindet, und von Black Canyon of the Gunnison wie auch Colorado National Monument, zwei Naturwundern, die einem den Atem verschlagen.

Im Osten von Utah tritt die Vielfalt am Highway 50 zurück, ohne dass man sie vermissen würde; denn die Hauptattraktion dieses Teils des Mormonenstaates ist so übermächtig, dass andere Eindrücke nur stören würden, lästiges Beiwerk wären im Paradies der Traumlandschaften. Tagelang könnte man allein durch den Arches National Park streifen. Auch ohne die faszinierenden Steinbögen wäre das Land südlich der Route 50 ausgedehnte Wanderungen wert. Kaum losreißen kann man sich von Felsformationen, die den Highway auf dem Weg durch Utah säumen, Landschaften, auf die kein Reiseführer hinweist, obwohl sie atemberaubend sind. Durch gigantische Schuppenpanzer aus Stein schlägt sich die Straße ihre Schneise. Mit ein wenig Phantasie lässt sich so manch bekannter Umriss in den wild aufgeworfenen Formationen erkennen, hier ein leck geschlagener Tanker, der vor dürren Grasbüscheln in einem Meer gelben Wüstenbodens versinkt, dort gigantische Baumwollflocken, Mashmellos, Sahnehäubchen und dazwischen ein zäher weißer Teig, in den mit einem riesigen Kochlöffel bizarre Schleifenformen gerührt worden sind. Die beiden Fahrbahnen des Highways fräsen sich gespalten durchs Gestein, wie der Reifenabdruck einer engachsigen Monsterwalze wirkt seine Spur durch die Felsenwüste, und man wähnt sich auf einem Transit durch ein fremdartiges Zauberreich.

Der Highway 50 nimmt auf seinem Weg durch die zwölf US-Bundesstaaten Maryland, Virginia, West Virginia, Ohio, Indiana, Illinois, Missouri, Kansas, Colorado, Utah, Nevada und Kalifornien jede Gestalt an, die ein Autofahrweg haben kann. Mal ist er ein verschlafenes Landsträßchen, über das Traktoren knattern, mal zehnspuriges Autobahngeflecht mit ganztägiger Rush-hour. Eines aber bleibt im Osten wie im Westen gleich: Die vielen kleinen Wunder, von denen die Faszination Amerikas ausgeht, liegen auf dem Highway 50 wie auf einer Perlenschnur aufgereiht. Die alte Handels- und Reiseroute führt durch Washington und damit durchs Herz der Vereinigten Staaten, sie durchquert Bürgerkriegsgebiet und folgt den Spuren der Siedler durch den Wilden Westen und über die Rocky Mountains hinweg bis hinein ins gelobte Land Kalifornien.

Einmal quer durch ganz Amerika fahren, von Küste zu Küste, from sea to shining sea, und dabei das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hautnah erleben... Mit dieser Einladung haben bunte Werbeprospekte schon vor Jahrzehnten dafür geworben, dem Highway 50, genannt Main Street of America, vom Atlantik bis zum Pazifik zu folgen. Gerade weil diese Straße schon damals als kontinentale Besichtigungsstrecke verstanden wurde, formierte sich von ihr aus auch organisierter Protest, als in den 60er Jahren die Boomzeit der Interstates begann.

Eine der letzten Bastionen der Interstate-Gegenbewegung „National Highway 50 Federation” steht heute noch da, wo sie einst als erstes Bollwerk gegen die hektischen Autobahnen errichtet wurde: in La Junta, Colorado. Doyle Davidson, vormals Executive Vice President, also Vizepräsident dieses Verbandes, ist der letzte Streiter, der die Stellung hält. Den Highway 50 als einheitliche Straße von Küste zu Küste zu bewahren, betrachtet er als seine Lebensaufgabe, und obwohl Doyle Davidson eine empfindliche Schlappe einstecken musste, als der westlichste Abschnitt zwischen Sacramento und San Francisco vom Interstate 80 abgelöst wurde, der Highway 50 seitdem also offiziell verkürzt und verstümmelt im Landesinneren von Kalifornien endet, hat er nie aufgehört sich für die Straße einzusetzen.

Von 1961 bis 1970 war Doyle Davidson als Präsident der Handelskammer von La Junta permanent unterwegs, den gesamten Highway 50 auf und ab, immer wieder von Küste zu Küste, 60.000 Meilen pro Jahr, um bei Bürgerversammlungen und im Gespräch mit Verantwortlichen in Städten und Gemeinden für die Erhaltung der Straße zu trommeln. Jedem einzelnen Amerikaner entlang der Route 50 sollte klar werden: Wenn du zulässt, dass hier ein Interstate gebaut wird und damit der Highway 50 stirbt, dann verendet bald auch deine Heimatstadt. In dieser Zeit warb Doyle Davidson für seinen Highway-50-Verband über 800 Mitglieder.

Dass die Interstates sich durchsetzten, konnte der Verband freilich nicht verhindern. Was nicht heißen muss, Doyle Davidsons Einsatz sei umsonst gewesen. Denn wer weiß, ob es den Highway 50 als offizielle Straße noch geben würde, hätte der Mann aus La Junta nicht in so vielen Amerikanern die Flamme entzündet, die in ihm selbst brannte.

So sind Highway-50-Ruinen heute ein eher seltenes Bild, anzutreffen meist nur dann, wenn die Route 50 als solche neu trassiert wurde. Die Bewohner der Ortschaften Noble und Olney in Illinois zum Beispiel teilen sich ein Stückchen Old 50, degradiert zur Nebenstraße 250, seit der neue Highway 50 als großzügige Umgehungsstraße die beiden Orte auslässt, statt sie zu verbinden. Ein wenig Route-66-Nostalgie weht über der 250: Alte Motels am Stadtrand von Olney sind nur noch Trümmerhaufen, ein früher beliebter und glänzend besuchter Diner dient jetzt als Würmer-Verkaufsstelle für die Angler der Region. Westlich von Noble mündet die 250 wieder in den neuen Highway 50, aber die alte 50 ist damit noch nicht zu Ende. Namenlos und zur Ruine verfallen, streckt sich die Straße, die niemand mehr braucht, noch über viele Meilen neben der neu gebauten Trasse. Gras wächst auf der früheren Fahrbahn, Brücken sind mit Barrieren versperrt.

Über solchen Straßenfragmenten liegt der Zauber des alten, echten Amerika, und man findet viele ähnlich romantische oder auf ganz andere Art faszinierende Fleckchen am Highway 50, vor allem auch in alten Diners, Saloons und Tante-Emma-Läden. Eine Straße der Vielfalt ist dieser Highway 50. Wer ihm folgt, der kommt vorbei an wildromantischen Traumlandschaften, begegnet Cowboys und Truckern, sieht Büffel in freier Wildbahn, passiert Geisterstädte und verlassene Häuser am Wegesrand und spürt bei alledem, dass diese Straße eigentlich viel mehr ist als eine Verbindungsstrecke von Küste zu Küste. Auf der Hauptstraße Amerikas ist der Weg das Ziel, und das Ziel heißt: mit allen Sinnen eintauchen in Amerika.