Manfred Köhler
Romane
Sachbücher
Texte
Lesungen
Kontakt
Links
Ausflugsziele

Backstage – wie der Roman entstand:
52 Sonntage in New York

„Wir könnten doch mal zusammen eine Serien-Idee entwickeln.“

Als mein Freund und Kollege Gunnar Schuberth mir diesen Vorschlag machte, stimmte ich zwar spontan zu, denn der Gedanke reizte mich; ich war aber auch skeptisch. Denn ein Teamworker war ich noch nie gewesen.

Zunächst schien sich diese Selbsteinschätzung nicht zu bewahrheiten. Wir hatten sehr rasch ein Serienkonzept, eine Hauptfigur, mehrere wichtige Nebenfiguren und einen Plot für einen ersten Teil entwickelt. Die Plot-Idee stammte von Gunnar und war eigentlich ein Volltreffer: Er schlug vor, das Thema Geocaching aufzugreifen. Immer mehr Menschen begeistern sich für die GPS-Schnitzeljagd, mit einem potenziell großen Leserkreis war also zu rechnen.

Als es dann ans Schreiben ging, trat meine Natur zutage: Gemeinsam richtig arbeiten – ja, wie denn bloß? Schreibt einer, und der andere bastelt daran herum und fügt was an – immerzu per Mail hin und her? Oder schreibt einer die eine Hälfte, der andere die zweite? Oder setzt man sich zusammen und schreibt alles gemeinsam? Nichts davon konnte ich mir so recht vorstellen. Zudem schien plötzlich eine eigene Idee, die mich schon länger beschäftigte, perfekt ins Serienkonzept zu passen: Jemand fliegt übers Wochenende nach New York und findet das so toll, dass er es immer wieder macht, jedes Wochenende – dieser Jemand stößt dabei auf ein Verbrechen, klärt es über Wochen und Monate hinweg auf, und nach einem Jahr ist der Fall gelöst. 52 Sonntage in New York, das war der Arbeitstitel. Ein scheinbar perfekter Fall für unseren weltreisenden Abenteurer Paul Skamper.

Also kamen wir überein, dass ich meine Geschichte schrieb, Gunnar seine, und so hätten wir dann gleich zwei Serienteile bzw. Pilotfolgen, was unsere Chancen bei Verlagen nur erhöhen konnte. Ziemlich genau gleichzeitig wurden wir fertig. Und ziemlich schnell hatten wir einen interessierten Verlag. Aber der wollte nur die GPS-Geschichte. Und er wollte, dass diese Geschichte nicht in Hof spielt, wie von uns geplant und umgesetzt, sondern in Gunnars Wahlheimatstadt Nürnberg.

Natürlich hätte auch ich meinen Roman entsprechend ändern können, was die Passagen in Deutschland betraf – aber die Hälfte der Handlung spielt in New York. Zu viel für einen deutschen Lokalkrimi. Das hatte ich nun davon. Aus heutiger Sicht entschied der Verlag genau richtig, denn Gunnars Todes-Final verkauft sich sehr gut und wird vor allem auch von versierten Geocachern gelobt. Inzwischen hat Gunnar den zweiten Teil seiner Skamper-Serie fast fertig.

Was aber wurde aus meiner Geschichte? Ich behielt die Schauplätze Hof und New York bei, änderte Berufe und Namen – aus dem Schatzsucher Paul Skamper wurde der Kopfgeldjäger Tom Ruppert – und brachte meinen Roman im Amazon-Kindle-Programm als eigenständiges Ebook heraus. Besonders gut läuft die Geschichte nicht, vielleicht weil die Einstiegsidee eben doch nicht so ideal war. Zur Hauptfigur passte sie sowieso nicht, also musste ich diesen Handlungsstrang an eine Nebenfigur abgeben, die dann die Hauptfigur irgendwie in den Fall hineinzieht.

Trotzdem mag ich den Roman. Die Schauplätze sind mir alle sehr vertraut, das macht die Geschichte glaubhaft. Und beim Schreiben hatte ich das Gefühl, dass die Figuren zum Leben erwachen, ihre eigenen Entscheidungen treffen und mir als Autor diktieren, wo die Handlung langzugehen hat. Ich mag diese Figuren, mir gefällt ihr Humor, und ich bin guter Dinge, dass ich, vor allem wegen dieses Humors, den Roman irgendwann fortsetze und dass vielleicht auch bei mir noch eine Serie draus wird.

Zum Roman Der Aushungerer