Manfred Köhler
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Backstage – wie der Roman entstand:

Von Geisterkameras, Hologramm-
Spuk und Resonanz-Phänomenen

Burgen und Schlösser gibt es allein in unserem Land zu Tausenden. Genutzt werden sie als Museen, Hotels, Gaststätten, Jugendherbergen, Begegnungsstätten, Altersheime, Verwaltungszentren oder Privatwohnungen. Nur eine Verwendungsform ist mir bei meinen Ausflügen noch nie begegnet: als Horror-Vergnügungspark.

Dabei liegt diese Idee doch eigentlich nahe. Wo könnte man sich besser gruseln als in den Gängen, Kellern oder gar Folterkammern uralter Burgen? Ein Unternehmer mit Wagemut könnte auf die Besucher seines Horror-Schlosses täuschend echt wirkende Hologramm-Gespenster loslassen – also eine riesige Geisterbahn bieten, bloß viel lebensnaher und derart unübersichtlich, dass man sich wirklich verirren und darin verlieren kann. Eine Zeit lang dachte ich, natürlich eher spielerisch, über eine Existenzgründung in dieser Richtung nach. Dann ging ich ans Werk, und zwar in Form eines Romans, in dem jemand genau diese Idee in die Tat umsetzt.

Der Impuls zum Schreiben kam von einer ergänzenden Idee. Irgendwie stieß ich im Internet auf das Thema Ghostcams, also Webcams, die an Orten installiert sind, an denen es angeblich spukt. Wer Zeit und Lust hat, kann sich auf die Lauer legen und von Zuhause aus womöglich ein Gespenst irgendwo in England oder Amerika beobachten. Das führte zwangsläufig zu der Frage: Was wäre, wenn... – jemand auf einer dieser Ghostcams tatsächlich einen Geist entdeckt, den Betreiber der Webcam darüber aber nicht informiert, sondern zum Ort des Geschehens aufbricht, um dort heimlich auf Geisterjagd zu gehen und die Sensation dann selbst zu vermarkten? Dieser Idee folgten genug weitere Einfälle, um den ersten Akt schreiben zu können.

Der wahre Reiz der Geschichte, die nun entstand, lag aber in einer ganz anderen, weiterführenden Idee. Wissenschaftliche Erklärungen von Spuksichtungen laufen meist auf das Phänomen Infraschall hinaus. In zugigen alten Gebäuden, so die Theorie, entstehen Schallwellen einer Frequenz, die das menschliche Ohr zwar nicht hört, die aber auf andere Weise wahrgenommen werden können, zum Beispiel visuell oder eben durch ein unbestimmtes gruseliges Gefühl, das einem anzeigt, dass da was ist, das man mit normalen Sinnen nicht wahrnehmen kann. Diesen wissenschaftlichen Ansatz drehte ich um: In einem Grusel-Freizeitpark arbeitet man mit Infraschall, um künstliche Geistererscheinungen zu erzeugen und bei den Besucherinnen und Besuchern eine Gänsehaut auszulösen; durch Resonanz geweckt, treten aber nach und nach immer mehr echte Wesen aus dem Jenseits von ihrer Welt in unsere über. Diese Idee lässt sich bis hin zu dem Extrem einer Resonanzkatastrophe steigern, einer regelrechten Invasion aus dem Jenseits. Damit hatte ich den Höhepunkt meines entstehenden Romans - und den späteren Titel.

Die Geschichte, die sich aus all diesen und noch viel mehr Ausgangsideen entwickelt hat, kommt einer Art von Spukroman am nächsten, wie ich sie selbst gerne lesen würde. Obwohl ich diese Horror-Geschichte für meine gelungenste halte, verkauft sich das Ebook nicht unbedingt am besten. Vielleicht liegt es an der Länge (und damit am Preis). Vielleicht ist auch das Cover noch nicht optimal. Gerade dieser Roman hat gezeigt, wie wichtig die optische Präsentation eines Ebooks ist: Unter dem alten Titel „Ghostcam“ und einem eher ziemlich blödsinnigen Titelbild ging praktisch gar nichts. Inzwischen ist die Nachfrage besser geworden. Aber das kann auch daran liegen, dass ein anderer meiner Horror-Romane, seit eineinhalb Jahren mein Bestseller, immer mehr Leser nach weiteren Geschichten dieser Sparte bei mir suchen lässt. Doch dazu nächste Woche mehr.

Zum Roman Invasion aus dem Jenseits

Vorschau:
Am Montag, 7. Januar 2013, erscheint der nächste Backstage-Bericht
Thema:
Die Kadaver-Sammlerin