Manfred Köhler
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Backstage – wie der Roman entstand:

Das Schloss steht immer noch leer

Ende August 2003 kam ich bei einer meiner Radtouren an einer schlossartigen Villa im ehemaligen Grenzgebiet vorbei. Das Gesamtgebilde aus verschachtelten Anbauten, Türmchen, Erkern, Balkonen und Spitzdächern faszinierte mich, und ich stellte mir vor, wie es wäre, das Haus zu kaufen und dort einzuziehen. Aber was, wenn es darin womöglich spukt, ich nur wieder weg will, aber es nie mehr losbekomme?

Eine Idee kann man das eigentlich nicht nennen. Und mit dem Kapitel Romane schreiben hatte ich sowieso abgeschlossen. Seit eineinhalb Jahren hatte ich nichts mehr zustande gebracht, und ich hatte die Hoffnung aufgegeben, dass mir je wieder was einfallen könnte. Allgemein nennt man solche Phasen Schreibblockade, aber Schreiblähmung trifft wohl eher zu. Es fühlt sich an, als hätte man noch nie was geschrieben und könne es einfach nicht. Man blättert staunend in den bisherigen Manuskripten und fragt sich: Wie habe ich das bloß gemacht?

Auf dem Heimweg dieser Tour dachte ich an eine Ex-Freundin aus Jugendzeiten und wie es wäre, sie nach gut 20 Jahren wieder zu treffen. Würde es sich noch anfühlen wie damals, oder wären wir uns total fremd? Beim Radeln verband sich dieser Gedanke mit dem eines Spukhauskaufes, und auf einmal war ich wieder im Rennen. Kaum daheim, fing ich an zu schreiben, und kaum war dieser kurze Roman fertig, schrieb ich den nächsten und den nächsten und den nächsten... – endlich lief es wieder wie am Fließband.

Das Schlösschen im Grenzgebiet, das so inspirierend auf mich wirkte, steht übrigens nach wie vor leer und zum Verkauf. Gut einmal im Jahr komme ich daran vorbei, und es sieht immer noch gleich aus – keine Spuren von Menschen, aber auch keine von Verfall. Als lägen Park und Schloss im Dornröschenschlaf. Vielleicht haust ja wirklich was darin, das in Ruhe gelassen werden will und alle Interessenten verscheucht...

Zum Roman Der vermauerte Folter-Kerker