Manfred Köhler
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Backstage – wie der Roman entstand:

Was, wenn ewig Weihnachten wäre...?

Im September 2001, als ich gerade mitten in der Arbeit an dem Thriller Der Mann, der mein Leben zum Entgleisen brachte steckte, drehte ich eine Fahrradrunde um die Ködeltalsperre und hatte eine Idee. Nennen wir es mal so, denn eigentlich war es ein Gefühl. Der Tag war wunderschön, in jeder Hinsicht, und ich wünschte mir, dass es ewig so bliebe. Kaum hatte ich dieses Gefühl ausgekostet, kam die Gegenseite ans Licht: Langeweile. Natürlich kann es nicht immer nur schön und friedlich zugehen und die Sonne dazu scheinen.

Angenommen, ein kleines Mädchen erlebt das tollste Weihnachtsfest ihres Lebens, so ein plötzlicher Gedankensprung, und wünscht sich, dass es nie aufhört. Und angenommen, dieser Wunsch wird ihr erfüllt: Jeder Tag ist von jetzt an Heiligabend – mit immer den gleichen zauberhaften Erlebnissen und Ritualen. Wie schnell hätte sie es wohl satt? Wie schnell würde sie einsehen, dass es zwischendurch öde, anstrengende, ganz und gar nicht feierliche Tage braucht, um die besonderen Tage eines Jahres erst zu schätzen?

DAS war die Idee. Kaum zu Hause, umriss ich die Handlung, schrieb auch schon den Anfang der Geschichte, dachte, ich hätte alles im Kasten für die Ausarbeitung zu einem späteren Zeitpunkt, und machte mit dem Thriller weiter. Ich freute mich darauf, sobald ich fertig wäre, diese besondere Geschichte anfangen zu können.

Dann aber folgte das Loch. Es folgte eben jene Schreiblähmung, die ich an anderer Stelle schon beschrieben habe (Der vermauerte Folter-Kerker) und die gut 18 Monate dauerte. In dieser Zeit arbeitete ich vor allem an der Weihnachtsgeschichte oder versuchte es zumindest. Das besondere Gefühl war noch da, aber in die Geschichte kam einfach kein Leben.

Zwei entscheidende Fortschritte, immerhin, gelangen mir in dieser Zeit. Zuerst begriff ich, dass die Handlung mit einem Mädchen nicht funktionieren konnte, was zum Teil daran lag, dass einem als ehemaligem Jungen nun mal Eisenbahnen und Rennautos näher sind als Puppenhäuser und Kaufläden. Der zweite große Hemmschuh war der Übergang in die Weihnachtswelt. Alles, was ich bis dahin probiert hatte, klang zu sehr nach Alice im Wunderland. Erst eine ganz neue Idee für diesen Übergang brachte den Durchbruch: Ich ließ den Jungen durch kein geheimnisvolles Schlupfloch übertreten, sondern ließ ihn, wo er war – und ein Spiel ausprobieren. Er experimentiert mit virtueller Realität und kann ab einem gewissen Punkt nicht mehr unterscheiden, wo die Grenze zur echten Welt verläuft. Abenteuer finden im Kopf statt.

Worauf die Geschichte dann aber wirklich hinaus lief, das wusste ich beim Schreiben lange Zeit selbst noch nicht. Ganz am Anfang tauchte eine kleine Dampflok auf, die der Junge, Heiko, unbedingt haben wollte. Diese Lok kam immer wieder vor – nicht geplant, einfach so. Ich ließ es geschehen. Und fand dank dieser Lok zu einer Auflösung, die mich selbst überraschte und mir in der entscheidenden Szene, als alles plötzlich einen Sinn machte, sogar eine Gänsehaut verursachte.

Die Geschichte gefällt mir, auch deswegen, heute noch so gut, dass ich gar nicht glauben kann, dass sie von mir ist. Die Leserinnen und Leser sehen das leider anders. Kein Roman ist mir wichtiger, aber keiner verkauft sich schlechter. Letztes Weihnachten schrieb ich eigens eine Vorgeschichte, um Interesse zu wecken. Nichts. Neuerdings indes verkaufen sich die anderen drei Teile der Scheinwirklichkeiten-Reihe immer besser. Ich hoffe, dass dieses Interesse irgendwann auch auf meine Lieblingsgeschichte übergreift.

Zum Roman Der Wunschtraumpark

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