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NEUE BILDBAND-AUFTRAGSARBEIT New York 2005
Die vierte Auftragsarbeit des Reich-Verlages Luzern an die Autoren Erika Beer, Klaus Beer und Manfred Köhler ist ein
Bildband über New York für die Reihe terra magica. An dieser Stelle können die aktuellen Erlebnisse bei den Recherchen vor Ort in New York nachgelesen werden.
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22. April 2005 Empire State Building, Rockefeller Center, Central Park, Times Square - was rund um unser Hotel in der 48th Street in
Manhattan zu Fuß zu erreichen war, haben wir am gestrigen Nachmittag und dem heutigen Vormittag abgearbeitet, bevor sich heute mittag der Himmel eintrübte und es zu regnen begann. Top-Story des Tages: zwei
kalifornische Feuerwehrmänner, die im Central Park mit voller Kletterausrüstungen in den Bäumen herumhangeln auf der Suche nach dem Asian Longhorned Beetle.
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23. April 2005 Ground Zero ist noch immer eine riesige Baugrube - im Vergleich zum Ende der Aufräumarbeiten im Frühjahr 2002 hat sich
äußerlich kaum etwas verändert. Etliche Wolkenkratzer ringsum lassen noch Spuren der Verwüstung vom Einsturz der Türme erkennen, ein ehemaliges Bankhaus ist zur Hälfte mit einer riesigen Bauplane verhüllt und wird
zur Zeit abgerissen. Besuchern ist die Fassungslosigkeit anzusehen, es werden Blumen und kleine Andenken niedergelegt. Ein Mann mit einem Strauß gelber Tulpen kommt mit verweinten Augen an ein Tor am Bauzaun, wird
von einem Wachmann eingelassen, verweilt lange mit Blick auf den Platz, an dem die Zwillingstürme in den Himmel ragten, und legt seine Blumen dann vor einer Gedenkstätte nieder, die Hinterbliebenen vorbehalten ist.
Besucher aus aller Welt haben sich ihren eigenen Ort der Trauer geschaffen: In der Liberty Street hängen an einem Absperrzaun Teddy-Bären, bunte Bänder und Fotos des World Trade Centers vor und nach der Katastrophe.
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24. April 2005 Einen der schönsten Ausblicke auf die weltberühmte Skyline von New York gibt es umsonst: Alle 20 Minuten verkehrt die
kostenlose Fähre von Dowtown Manhattan nach Staten Island. Dort verwandelt sich die Weltstadt New York in ein vorstädtisches, beinahe ländliches Amerika-Idyll. Ziemlich genau in der Mitte der Insel führen in
Historic Richmond Town 15 Museums-Angestellte ein Leben wir vor 200 Jahren. Sie backen Schinken-Kuchen am offenen Kamin, sticken Decken und flechten Sitzflächen für Stühle. Das Museumsdörfchen ist weder durch einen
Zaun abgegrenzt noch stehen moderne Gebäude in der Nähe, und so trübt kaum etwas den Eindruck, in eine andere Zeit einzutauchen.
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25. April 2005 Über zwölf Millionen Immigranten, überwiegend Ost- und Südeuropäer, wanderten zwischen 1892 und 1954 über Ellis Island im
Süden von Manhattan nach Amerika ein. Zwei Prozent von ihnen wurden zurückgewiesen, Familien dabei zerrissen. Ellis Island wurde deswegen auch Insel der Tränen genannt. Das Museum in der ehemaligen Immigration
Station dokumentiert Herkunft, Überfahrt, Einwanderungsprozeß und Eingliederung der Neu-Amerikaner und schildert Einzelschicksale. In einer 20 Meter langen Reihe sind die Seekoffer und Körbe aufgestapelt, mit denen
die zum Teil bitterarmen Menschen in der neuen Heimat landeten. Man sollte einen Tag für die Besichtigungstour einplanen und die Fähre nehmen, die das benachbarte Liberty Island mit einbindet. Überfahrt,
Besichtigung der Freiheitsstatue und Museumseintritt kosten zehn Dollar.
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26. April 2005 Viermal täglich berichtet Markus Koch für den Nachrichtensender n-tv live von der New York Stock Exchange. Heute hat er sich
zwischen seinen Auftritten zwei Stunden für uns Zeit genommen, hat uns durch die Börse geführt, uns dabei viel Hintergrundwissen anvertraut, er hat uns in der Börsen-Cafeteria zu einem Kaffee eingeladen und aus
seinem Leben erzählt. Der Eindruck, den er bei uns hinterlassen hat: genauso sympathisch und kompetent wie bei seinen Fernsehauftritten. Seine Geschichte wird eine der interessantesten im Bildband werden. Für mich
als Hobby-Börsianer und regelmäßigen n-tv- Zuschauer war die Begegnung mit Börsenbesichtigung das Highlight der Reise.
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27. April 2005 In 320 Metern Höhe liegt die Aussichtsplattform des Empire State Buildings. Der Aufbau mit Fernsehantenne ragt
noch einmal 120 Meter darüber hinaus zu insgesamt 440 Metern - damit ist der weltbekannte Turm derzeit das höchste Gebäude in New York. Der Blick umfaßt bei schönem Wetter ganz Manhattan: von Harlem und
vom Central Park im Norden bis hinunter zum Finanzzentrum im Süden der Insel. Die Rundumsicht ist sagenhaft und lockt nicht nur Menschenscharen, die in weit verschachtelten Schlangen zu den Fahrstühlen
gelotst werden, sondern auch einige Tauben. Sie sitzen jenseits des Absperrgitters und lassen sich weder von den Besuchern noch von den eiskalten Sturmböen stören, die auch bei schönem Wetter um die
Plattform fauchen.
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28. April 2005 Brooklyn ist mit 2,5 Millionen Einwohnern der größte Stadtteil New Yorks. Berühmte Amerikaner wie Barabara Streisand stammen
hierher, aber auch berühmt-berüchtigte wie Billy the Kid. Brooklyn hat um die Fulton Street Mall herum ein lebendiges Stadtzentrum, ist aber in weiten Teilen ruhig und beschaulich, die Menschen hetzen nicht mit
gesenktem Blick aneinander vorbei, sondern bieten unaufgefordert Hilfe an. Ganze dreimal passierte uns das innerhalb weniger Stunden. Eine ältere Dame im Bus half uns sogar auf Deutsch, als unsere Haltestelle
gekommen war: „Raus, raus, raus!”
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29. April 2005 Heute waren wir getrennt unterwegs. Klaus marschierte auf Motivsuche durch Harlem und Chinatown, Erika fotografierte unter
anderem in den Time Warner Twin Towers, und ich durchquerte den Central Park. Interessante Gespräche ergaben sich dabei mit Mihaela aus Bukarest (das Foto entstand am Belvedere Castle) und Reginald aus Harlem. Auf
dem Cedar Hill traf ich Eric Chan (links unten), der bei schönem Wetter jeden Tag zum Malen in den Central Park kommt. Geboren wurde er in Hongkong, studiert hat er in Paris, seit 25 Jahren lebt er in New York als
freischaffender Künstler. Seine Bilder verkauft er inzwischen allerdings nicht mehr. Er ist im Ruhestand und malt nur noch, um seine Technik zu vervollkommnen. Jedes neue Bild geht er dabei an als sei es sein
letztes.
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30. April 2005 Für einen tristen Regentag wie heute hatten wir uns die zahlreichen Indoor-Attraktionen aufgehoben, die es in New York
abgesehen von den Museen und Galerien zu fotografieren gibt - zum Beispiel das 20 Meter hohe Riesenrad in einem Spielzeugladen am Times Square oder den gigantischen Spiderman, der kopfüber eine Glaswand in einem
Atrium nahe der Madison Avenue herunterklettert. Weitaus interessanter war dann allerdings eine zufällige Begegnung: An der Lexington Avenue wurde in den letzten zweieinhalb Jahren ein markanter neuer Wolkenkratzer
gebaut, und ich kam hinzu, wie gerade die letzten Fenster-Segmente eingesetzt wurden. Stahlskelett und Fenster, fertig ist der Skyscraper? Glaubt man dem Vorabeiter, der die Millimeterarbeit des Einsetzens
dirigierte, und auf alle Fragen sehr freundlich antwortete, scheint es - fast - so einfach zu sein.
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1. Mai 2005 Heute war ein Tag der Kontraste. Vormittags besuchten wir ein indianisches Pow-Wow am Inwood Hill Park in Harlem, danach ging es
in die Bronx. Dort sieht es an manchen Stellen genauso apokalyptisch aus, wie man es sich vorstellt, überwiegend aber hat die Bronx, zumindest im Norden, das typische Erscheinungsbild einer amerikanischen Großstadt
- und enthält sehenswerte Attraktionen: Das Poe Cottage ist das einzige Haus, das vom einstigen Dörfchen Fordham übrig geblieben ist. Der weltberühmte Schriftsteller Edgar Allan Poe hat hier seine letzten drei
Lebensjahre in bitterer Armut verbracht.
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2. Mai 2005 Queens scheint uns, nachdem wir alle fünf Boroughs New Yorks kennengelernt haben, als der lebenswerteste Stadtteil. Natürlich
gibt es auch hier an den Hauptverkehrsstraßen und zentralen Plätzen Verkehrsgewühl, Lärm und Hektik - dafür ist die ausgedehnte Vorstadtsiedlung besonders idyllisch, und man findet so manches kleine
Einkaufssträßchen und ganze Abschnitte Wald, die noch wie echte Wildnis wirken. Eine Besichtigung wert ist die 40 Meter hohe Unisphere im Flushing Meadows Corona Park, die für die Weltausstellung 1964/65 geschaffen
wurde. Und dennoch: Man hat das Gefühl, nicht richtig in New York zu sein, so lange man nicht zurück in Manhattan ist. Die einzigartigen Wolkenkratzerschluchten üben eine Faszination aus, für die man das Gehupe und
die Abgase gerne in Kauf nimmt.
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3. Mai 2005 Mitten in der Südhälfte Manhattans, genau zwischen den Hochhaus-Gebirgen des Finanzdistrikts und des Times Squares, liegen zwei
kleine Dörfer: West Village und East Village, zusammen Greenwich Village. Natürlich sind das keine richtigen Dörfer, von dem einst ländlichen Charakter ist nichts mehr geblieben. Und doch sind diese Stadtteile
anders. Man findet mehr Grün, die meisten Häuser sind gepflegt und unverwechselbar, die Gehsteige hat man fast für sich allein, und wer Glück hat, kann einem der vielen Künstler, die sich hier angesiedelt haben,
unter freiem Himmel bei der Arbeit zuschauen. Die Kirchen in der Gegend (links oben: Grace Church) erinnern noch an die einstigen Dörfer. Auf dem alten Friedhof der St. Mark’s Church (unten rechts) liegt Peter
Stuyvesant, Governor des damaligen Nieuw Amsterdams, zusammen mit sieben Generationen seiner Nachfahren begraben.
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4. Mai 2005 Das Ende der Reise rückt näher, die großen Besichtigungsrunden liegen hinter uns, und so sind wir jetzt meist getrennt
unterwegs, um Details und Ergänzungen zusammenzutragen. Heute früh startete ich in der Lower East Side, lief durch Chinatown und Little Italy zur World Trade Center Site, um dort noch einmal Eindrücke zu sammeln
(Foto: Palmengarten im World Financial Center), vor allem aber, um im Hauptbüro der Downtown Alliance die Genehmigung für ein Interview mit einem der Citystreifen-Wachleute einzuholen, das ich morgen führen werde.
Nachmittags war ich mit Erika bei Bill Apollo Brown zu Gast, der vor vier Jahren nach New York gezogen ist, um als Komponist Karriere zu machen. Bills Geschichte wird eine große Bereicherung für den Bildband, und
das verdanken wir Markus Koch, den wir vorige Woche bei unserem Treffen in der New York Stock Exchange nach möglichen Interviewpartnern in der New Yorker Künstlerszene fragten. Markus nimmt bei Bill Klavierstunden –
und wird im kommenden Herbst mit ihm auf eine kleine Deutschlandtournee gehen.
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5. Mai 2005 Der 11. September ist allgegenwärtig in New York. Gestern traf ich einen Mann, der beim Einsturz des Nordturms seinen Vater,
seine Schwester und seine Tochter verloren hat, selbst nur knapp entkam und infolge der Ereignisse zwei Monate obdachlos war. Heute kam ich zufällig hinzu, wie an der Trinity Church ein neues Mahnmal der
Öffentlichkeit präsentiert wurde. Auch dahinter steckt eine bewegende Geschichte: Herabfallende Trümmer des World Trade Centers hatten auf dem Friedhof der St. Pauls Kapelle am Broadway einen 100 Jahre alten Baum
entwurzelt und dabei aber so gefällt, daß keiner der historischen Grabsteine zerstört wurde. Als der Bildhauer Steve Tobin (Foto links) davon hörte, beschloß er, aus den Überresten des Baumes eine Skulptur zu
fertigen, um die Opfer des Anschlages zu ehren. Aus Anlaß der heutigen Kirchweih der Trinity Church (rechtes Foto) war der Künstler zugegen und stellte sein Projekt vor – unter großer Anteilnahme der Medien. Die
vollendete Skulptur wird am 10. September 2005 an der Trinity Church eingeweiht.
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6. Mai 2005 Die größte Schilderfabrik Amerikas unter kommunaler Verwaltung hat ihren Sitz in Queens. Von den 1,3 Millionen Verkehrszeichen,
die in New York angebracht sind, müssen jährlich 100.000 wegen Vandalismus, Diebstahl oder Beschädigung durch Unfälle ersetzt werden, und dieses Aufgabe liegt beim Department of Transportation New York. Die drei
maßgeblichen Führungskräfte der Schilderproduktion nahmen sich heute ausgiebig für uns Zeit und zeigten uns alle Stufen des Entstehungsprozesses. Doch damit nicht genug: Für den Hofer Fernwehpark stellten sie drei
wertvolle Original-Schilder zur Verfügung, darunter einen Wegweiser zum New-York-Marathon 99, der normalerweise als Nachbildung für 250 Dollar verkauft wird. Das Foto rechts unten entstand bei der Übergabe der
verpackten Schilder (demnächst im Fernwehpark zu besichtigen) und zeigt von links: Deputy Chief Anthony Galgan, Klaus Beer, Director Manufactoring Patrick Ambrogio und Supervisor Manufactoring John Wenz. Da die
Schilderfabrik ziemlich abgelegen angesiedelt ist, fuhr uns John anschließend noch zur U-Bahn.
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