Manfred Köhler
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Weißenfels:
Schloß und Stadt, alles zweigeteilt

Das Phänomen, ein Museum zu besichtigen, das selbst museumsreif ist, kann man auf Schloß Neu-Augustusburg in Weißenfels erleben: Das einstige „Schuh-Museum der DDR“, eine von drei Dauerausstellungen des Schlosses, ist in weiten Teilen auf dem Stand der Konzeption von 1964 erhalten und bietet neben viel durchaus verwertbarer Information auch genug Anlaß zum Schmunzeln und die seltene Gelegenheit für alle, die es mögen, noch mal so richtig in Themen wie Klassenkampf, Proletariat und Bourgeoisie zu schwelgen.

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Weniger politisch und dafür um so eindrucksvoller ist das Stadtmuseum im Stockwerk darüber. Zu den Hauptthemen zählen der Siebenjährige Krieg und die Napoleonischen Kriege, die Weißenfels mehr als manch andere Region heimsuchten und verwüsteten. Das Schloß war zu dieser Zeit Lazarett und bis zum letzten Raum mit Schwerverwundeten belegt. Einen Eindruck dieser schrecklichen Epoche bietet ein lebensgroßes Diorama, das die blutige Vergangenheit in allen Details aufleben läßt.

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Zurück zu den Anfängen von Neu-Augustusburg führt die dritte Dauerausstellung über die Geschichte des Herzogtums Sachsen-Weißenfels. Kurios an dieser Geschichte ist, daß sie nicht mal 100 Jahre dauerte, das mächtige Schloß also den geringsten Teil seiner Existenz in der Funktion zubrachte, die ihm mit seiner Erbauung zugedacht war. Über das Herzogtum informiert die Ausstellung wahrlich mit allen Sinnen. So kann man zeittypische Geruchs- und Klangproben in sich aufnehmen, Stoffproben befühlen und anhand von Inventarlisten sich ausmalen, wie prunkvoll die Räume einst ausgestattet waren. Einzigartig ist eine dreidimensionale Pyramide mit zehn Zentimeter großen, originalgetreu gewandeten goldenen Männchen und Weibchen, die den gesamten Hofstaat der damaligen Zeit in seiner hierarchischen Ordnung vor Augen führen.

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So wie das Schuh-Museum noch viel DDR-Flair bereithält, bietet auch die Außenfassade des Schlosses Gelegenheit, den Gebäudezustand dieser Zeit zu studieren. Die riesige Anlage ist im wahrsten Sinne zweigeteilt: auf der einen Seite perfekt renoviert und wie neu – auf der anderen so verfallen wie zu Wendezeiten. Auch in Weißenfels selbst setzt sich dieses Nebeneinander fort. Bemerkenswert das Gebäude „Alt-Weißenfels“, aus dessen Fenstern überlebensgroße Porträts heimischer Senioren schauen – und gegenüber das Geleitshaus, in dem der Leichnam des legendären Schwedenkönigs Gustav II. Adolf nach seinem Tod auf dem Schlachtfeld von Lützen obduziert und einbalsamiert wurde.

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