Manfred Köhler
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Entlang der Unstrut: Von Laucha nach Nebra

Wenn man der Unstrut von Laucha nach Nebra folgt, fährt man durch ein Land, das seit Jahrtausenden von Menschen besiedelt wird. In Laucha läßt sich diese Besiedlung anhand von Funden bis in die Jungsteinzeit nachweisen. Die Attraktion des Städtchens ist, verglichen damit, vergleichsweise jung, aber wer sich für mittelalterliche Stadtbefestigungen interessiert, der muß hier einfach aussteigen. Erhalten geblieben ist eine Doppeltoranlage mit – bis auf die Holzaufbauten – intakter Stadtmauer und ein Gewirr von Gassen und Gäßchen. Auffallend klotzig präsentiert sich die Stadtkirche. Sie wie auch die über einen Kilometer langen Reste der Stadtmauer und der breite Graben, der zwar verfüllt, aber im Verlauf klar erkennbar ist, zeugen von der einstigen Bedeutung Lauchas.

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Nicht weniger geschichtsträchtig ist Burgscheidungen. Man vermutet gar, daß hier im Jahre 531 die legendäre Schlacht zwischen Franken, Sachsen und Thüringern stattfand, bei der die Thüringer vernichtend geschlagen wurden und ihr damaliges Riesenreich zusammengestutzt bekamen. Was sich nachweisen läßt, ist die Anwesenheit einer weltbekannten Frauengestalt: Die zweifelhafte Karriere der späteren Reichsgräfin von Cosel, Mätresse Augusts des Starken und danach Gefangene auf Lebenszeit, hat hier 1699 in Burgscheidungen ihren Anfang genommen. Sie schaffte es trotz ihrer Herrschsucht nicht, der Burg ihren Stempel aufzudrücken – aber 20 Jahre später prägte die Familie von Schulenburg dann das Gemäuer bis in die Gegenwart. Kurzerhand wurden zwei der vier Burgflügel abgerissen und als Barockschloß neu aufgebaut. Auch die restlichen alten Mauern sollten weichen, was aber nach dem Tod des maßgeblichen Bauherrn Friedrich Levin von der Schulenburg nie umgesetzt wurde, und so fasziniert Schloß Burgscheidungen heute als seltsames, aber höchst attraktives Zwittergebilde aus Burg und Schloß.

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Verstärkt wird der Eindruck bei einer Besichtigung. Die Räume und Gänge der alten Burg sind eng, düster und verschachtelt; im Schloß ist es weit und hell, man wandelt von einem lichten Saal in den nächsten. Gegenüber vom eher nüchtern-kahlen Schloßhof öffnet sich der Blick auf den Park mit Terrassengarten, Grotte und Teehaus – im Gesamt-Ensemble ausgezeichnet mit dem Prädikat „Gartenträume Sachsen-Anhalt“.

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Auf dem Weg von Burgscheidungen nach Nebra wird an touristischen Übersichtstafeln ein Abstecher zu den „Hohen Gräten“ empfohlen, wo angeblich die Reste einer Burg zu besichtigen sind. Daß vor Ort weder in Karsdorf noch Steigra ein Hinweisschild dorthin zu finden ist, sollte eigentlich stutzig machen. So entdeckte ich zwar auf der Hügelkuppe, zu der ich mich mit Hilfe von Einheimischen durchfragte, einige Mauerreste, aber bestimmt keine aus dem Mittelalter. Vielleicht war ich auch ganz falsch. Der Weg hat sich trotzdem gelohnt, denn die Aussicht dort ist grundsätzlich sehr schön und besonders interessant durch eine neue ICE-Brücke, die so lang ist, daß sie sich scheinbar von Horizont zu Horizont spannt.

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Eine Burgruine findet man dann endlich in Nebra, und zwar eine besonders märchenhafte: Zu grotesken Formen eingestürzt und wildromantisch verwuchert, liegt sie unter hohen alten Bäumen schräg gegenüber vom Schloß, das heute ein Hotel ist. Wer das Museum am Markt besichtigen will, das zum Teil der Schriftstellerin Hedwig Courths-Mahler, der berühmtesten Tochter Nebras, gewidmet ist, der steht mitunter auch während der Öffnungszeiten vor verschlossenen Türen. Einheimische raten, die Betreiberin einfach anzurufen, und zwar jederzeit, „Tag und Nacht“. Aber dafür wie auch für die Hauptattraktion des Ortes, die „Arche Nebra“ und den Fundort der berühmten Himmelsscheibe von Nebra, ist es an diesem Tag zu spät. Beides zusammen wird sicher bald mal ein Ausflugsthema für sich.

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