Manfred Köhler
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Regensburg: Reichstagsmuseum
und Schloß Emmeram Thurn und Taxis

Eine einzige Idee erschuf eine Dynastie: Statt bei der Nachrichtenweitergabe die gesamte Strecke von einem Reiter zurücklegen zu lassen, begann man Ende des 15. Jahrhunderts damit, Poststationen mit Reiter- und Pferdwechsel einzurichten, was die Beförderung revolutionierte. Die aus Italien stammende Familie Taxis wurde vom Kaiser beauftragt, mit diesen Reiter-Stafetten eine regelmäßig verkehrende Postlinie einzurichten. Das Unternehmen, das daraus hervorging, verhalf den Nachkommen der Taxis nicht nur zu unerhörtem Reichtum, sondern auch zu höchster Bedeutung: Beim Immerwährenden Reichstag in Regensburg vertrat über Jahrzehnte hinweg ein Mitglied der Familie als Prinzipalkommissar den Kaiser. Der Thron, den der jeweilige höchste Repräsentant einnahm, um die Huldigungen seiner Besucher entgegenzunehmen, ist heute noch in Schloß St. Emmeram, dem Stammsitz der Familie von Thurn und Taxis in Regensburg, zu besichtigen.

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Von außen betrachtet, scheint das Schloß nicht viel herzugeben, aber davon und vom recht gesalzenen Eintrittspreis sollte man sich nicht abhalten lassen, eine Führung mitzumachen – nach mindestens hundert Burg- und Schloßbesichtigungen in den letzten Jahren wage ich zu behaupten, daß man hier sogar ein Schnäppchen macht. Denn eine Führung durch Schloß Emmeram gehört nicht nur zu den schönsten und darstellungskräftigsten überhaupt, sie bietet auch überreichlich Information, Anekdoten und Bilder, die sich für immer einprägen. Ein Jammer, daß man nicht fotografieren darf, aber auf der Homepage des Schlosses bekommt man einen Eindruck, welche Pracht es zu sehen gibt. Natürlich können Bilder das Gefühl nicht ersetzen, das sich vor Ort einstellt, wenn man die Säle durchschreitet. Wie es bei Schlössern oft so ist, sorgt die Verschlungenheit der Wege und die Vielzahl an aufeinanderfolgenden, völlig verschiedenen Räumen dafür, daß man die Verbindung zur Außenwelt verliert und sich irgendwo zwischen Zeit und Raum verirrt. Besonders beeindruckend fand ich die Fürstengruft mit ihren 29 prächtig geschmückten Sarkophagen und das Sterbezimmer der Helene von Thurn und Taxis, geborene Helene in Bayern und Schwester der berühmten Kaiserin Sissi. Auch die zeitgenössische Berühmtheit unter den Schloßbewohnerinnen, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, hat allerorten ihre Spuren hinterlassen, und zwar in Form von Kunstwerken und natürlich Geschichten, die man bei der Besichtigung reichlich zu hören bekommt. Zu den Besonderheiten gehört eine Video-Installation der fürstlichen Familie: die überlebensgroßen Bilder wirken zunächst wie gestochen scharfe Fotografien – bis man eines der Gesichter blinzeln sieht und plötzlich das Gefühl hat, den abgebildeten Menschen persönlich gegenüber zu stehen.

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Logische Querverbindung für eine weitere Besichtigung in Regensburg ist das Alte Rathaus (unten rechts), in dem zwischen 1663 und 1806 der Immerwährende Reichstag stattfand – wie erwähnt über lange Zeit hinweg an des Kaisers statt geleitet vom jeweiligen Oberhaupt der Familie von Thurn und Taxis. Bei einer Führung lernt man nicht nur den Reichssaal (oben links) und verschiedene Beratungsräume kennen, sondern auch die Orte mittelalterlicher Gerichtsbarkeit: Folterkammer (oben rechts), Gefängnis- und Todeszellen. Auch diese Führung gehört in Sachen Informationsgehalt und Professionalität zum Besten, was man bei Städtereisen erleben kann. Wer danach noch Zeit hat, der kann den Rest des Tages für Abstecher zum Dom (unten links) oder zur Steinernen Brücke nutzen oder durch die vielen romantischen Gassen bummeln – gerade hier und in den verwinkelten Hinterhöfen (ganz unten) finden Fotografen die farbigsten Motive.

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Insgesamt ist in der Donaustadt natürlich weit mehr geboten als man an einem Tag schaffen kann. Erwähnt werden muß noch der Service: Soweit ich mich erinnern kann, war Regensburg neben Nürnberg bisher die einzige von mir besuchte Stadt, deren Tourist-Information an einem Sonntag geöffnet und besetzt war – und auf jeden Fall die einzige, die sich explizit um ein menschliches Bedürfnis ihrer Besucher kümmert, und zwar mit einem kostenlosen Faltplan zur Aktion „Nette Toilette“.

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