Manfred Köhler
Romane
Sachbücher
Texte
Lesungen
Kontakt
Links
Ausflugsziele
pommersfelden 4 pommersfelden 1

Pommersfelden und Bamberg: Von Blaumachern und fliegenden Männchen

Man erfährt ja nicht gerade viel Persönliches über den ehemaligen Hausherrn Lothar Franz von Schönborn, wenn man Schloß Weißenstein bei Pommersfelden besichtigt.

Wikipedia ist da in mancher Hinsicht auskunftsfreudiger und verrät auch den Grund, warum ein derartiger Prachtbau in völliger Abgeschiedenheit mitten im Nirgendwo errichtet wurde: Lothar Franz, wie er in Weißenstein vertraulich genannt wird, hatte bei Pommersfelden ein Wasserschloß geerbt, das ihm zu klein und wenig repräsentativ erschien und das er gar als Räuberhöhle bezeichnete. Da dem Fürstbischof seine Bamberger Residenz auch nicht recht gefiel, verwirklichte er sich mit dem neuen Schloß auf dem Lande selbst und schuf sich einen Zufluchtsort nach seinen Träumen.

pommersfelden 3 pommersfelden 2

Wie er dort residierte, darüber hört man bei einer Schloßführung so einiges. Das imposante Treppenhaus diente ihm zum Beispiel auch dafür, seinen Gästen beim Empfang zu zeigen, wo sie für ihn rangmäßig hingehörten: Je nachdem, wie weit er ihnen entgegenkam, desto höher konnten sie sich nun selbst einschätzen. Um in seinem polartauglichen Hermelinmantel beim Repräsentieren im Sommer keinen Hitzekollaps zu erleiden, folgt gleich neben dem Treppenhaus eine Grotte zum Abkühlen. Bei Tisch aß er angeblich ausschließlich Fleisch und trank ohne Ausnahme Wein.

So richtig informativ wird die Führung, wenn es um die Gemäldesammlung des Schloßerbauers geht, die heute als die größte private des Barock in Deutschland gilt: Man erfährt zum Beispiel, warum die dargestellten Frauen zuweilen Männeroberkörper hatten – und wieso man „Blau macht“, wenn man faul ist und sich gehen läßt. Zur Herstellung der Farbe Blau war damals Urin nötig. Um den in großen Mengen zu erhalten, durften ausgewählte Produzenten sich mit der Aufgabe vergnügen, möglichst viel Bier zu trinken und ansonsten, wegen der Wirkung - nichts zu tun. Diese spezielle Erklärung für den Begriff findet sich nicht mal bei Wikipedia.

bamberg 9 bamberg 3

Von Pommersfelden nach Bamberg hatte Lothar Franz von Schönborn eine dreistündige Kutschfahrt zurückzulegen. Auch seine Residenz dort kann man per Führung besichtigen – wie auch Dom und Alte Hofhaltung, alles über einen großen zentralen Platz verbunden. In der Hofhaltung ist das Stadtmuseum von Bamberg untergebracht. Wer sich für Brücken interessiert, ist dort richtig. Wegen der Unberechenbarkeit der Flußarme, zwischen denen die Stadt sich ausbreitete, kam es bei Hochwasserkatastrophen immer wieder zur Vernichtung gerade neu erbauter, sehr kunstvoller Brücken, zu vielen Toten und auch großflächig zerstörten Stadtteilen. Interessant vor allem, daß bis heute die Relikte dieser früheren Brücken aus dem Flußschlamm gebaggert werden.

Den vielen Gründen, anschließend im Dom vorbeizuschauen, kann derzeit ein aktueller angefügt werden: Überall im monumentalen Gotteshaus verteilt findet sich Kunst aus heutiger Zeit. Besonders eindrucksvoll wirken unter den Himmeln der Gewölbe die fliegenden Männchen mit Feuermähne.

bamberg 8
bamberg 5

Zur Gesamtliste aller Ausflugsziele