Manfred Köhler
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Region Apolda:
Was man an einem Tag alles schaffen kann

Was ich an meinen Ausflügen so liebe, ist die totale Spontaneität, die sich zusammensetzt aus lockerer Vorausplanung, meiner Augenblickslaune und dem Zufall vor Ort. Einen Tag lang mache ich nur, was mich gerade interessiert, und lasse mich dabei treiben. Es ist erstaunlich, was man in zehn bis zwölf Stunden minus drei bis vier Stunden Fahrtzeit alles ansteuern und erleben kann, obwohl – oder gerade weil – man nicht hetzt, sondern sich für alles seine Zeit nimmt.

Ein Beispiel für den Gegensatz zwischen Erwartung und unerwartetem Verlauf ist meine Fahrt in die Region Apolda. Geplant hatte ich eigentlich, mal das Bayern-Ticket der Deutschen Bahn auszuprobieren und Ingolstadt oder Regensburg zu besuchen. Als ich am Sonntagfrüh aber kurz meine Ausflugs-Linkliste durchgehe, stoße ich auf die Ordensburg Liebstedt, die ich irgendwann bei einem ersten Blick auf die Wikipedia-Infos zum Thema offenbar nur mäßig interessant gefunden hatte. Nun aber wecken zwei Besonderheiten meine Aufmerksamkeit: einzig erhaltende Durchgangsburg Deutschlands - und letzte Ordensburg des Deutschen Ordens in ganz Europa, die auf einer Straße errichtete wurde.

Also habe ich mein Hauptziel für diesen Tag. Aber was machen bis zur ersten Führung um 12 Uhr? Das Museum 1806 bei Jena fällt mir ein, an dem ich mal vorbeigefahren bin; und dann ist da noch die Burg Saaleck, auch in der Nähe gelegen, die leider geschlossen war, als ich letzten Herbst die benachbarte Rudelsburg besichtigte.

Kurz nach zehn Uhr erreiche ich das Museum 1806. Thematisiert wird hier die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt, die großräumig die gesamte Region verwüstete. Daß ich den Besuch hier als Enttäuschung empfinde, hat verschiedene Gründe, vor allem aber liegt es daran, daß aus einen Lautsprecher mitten im Museum fast ständig Militärmusik und Schlachtenlärm dröhnen. Zusätzlich läuft im Kassenzimmer ein Radio mit Volksmusik. Die doppelte Beschallung führt dazu, daß die anderen Besucher sich besonders laut unterhalten, und in dieser Lärm-Kakophonie ist es unmöglich, sich auf sich auf Exponate und Beschreibungen zu konzentrieren. Hinzu kommt ein nicht gerade angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Um so positiver überrascht bin ich dann von der Ordensburg Liebstedt. Hier stimmt einfach alles. Das Angebot ist vielfältig, die Führung äußerst freundlich und kundig, und neben den vielen historischen Geschichten, die nachwirken, gibt es auch eine aktuelle: Ein privater Investor will die Anlage kaufen und zum Weingut umbauen. Die Gemeinde, deren Mitglieder unzählige Stunden ehrenamtliche Arbeit und auch viel Geld in die Burg gesteckt haben, wehrt sich dagegen. Vor Ort erfahre ich die eine Seite der Geschichte, später im Internet dann die andere. Der Investor will 25 Arbeitsplätze schaffen und beteuert, die Burg weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich zu erhalten. Egal, wie der Streit ausgehen wird – so lange er andauert, und das können Jahre sein, ist er zum Schaden der Burg, denn in der Phase der Unsicherheit liegen laufende Ausbau- und Sanierungs-Projekte erst mal auf Eis.

Nach drei Stunden in der Ordensburg wird es Zeit, mein letztes Tagesziel anzusteuern, die Burg Saaleck. Ich entscheide mich für die Route über Apolda und entdecke so durch Zufall den mit 57 Metern höchsten Bergfried Deutschlands. Auch in Niederroßla selbst weiß man erst seit kurzem, daß der Turm der eigenen Burg den der Osterburg Weida um drei Meter übertrifft – und ihr damit den Rang streitig macht.

Die zweite Zufallsentdeckung des Tages ist die Eckartsburg bei Eckartsberga. Als ich ihre Türme von weitem sehe, ändere ich meine Route und mache dort Station. Am Weg vom Parkplatz zur Burg hat sich ein Familien-Freizeitzentrum gebildet. Man kann durch ein Labyrinth irren, Minigolf spielen, Trampolin springen und auf der Sommerrodelbahn ins Tal flitzen. Für Kinder gibt es außerdem noch ein Burgen- und Dinosaurierland.

Am Ende der Vergnügungsroute liegt die bewirtschaftete Burg. Die einzelnen Gebäude und Ruinenteile sind beschriftet, für einen Euro Eintritt kann man ein kleines Museum besichtigen, den Bergfried besteigen und weit ins Land schauen. Die Burg ist märchenhaft schön und interessant genug, daß ich Saaleck dafür sausen lasse.

Immerhin, auf dem Heimweg reicht die Zeit noch für einen Rundgang durch Apolda. Die Bilder auf dieser Seite vermitteln die Vielfalt der Erlebnisse vielleicht noch besser als der Text. Weitere Fotos finden sich in meiner Facebook-Chronik. Das Museum 1806 fehlt wegen Fotografierverbots.

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