Manfred Köhler
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Naumburg Dom Naumburg Museum

Naumburg: Wo Nietzsches
Schreie durch die Nacht hallten

Elf Monate ist es her, daß ich Naumburg besucht habe. Zuweilen ist es ganz gut, einen Text mit einem solchen Abstand zu schreiben, denn Augenblicksbefindlichkeiten sind inzwischen vergessen, die Erlebnisse lassen sich leichter nach Qualität sortieren, und ein bestimmtes, den Ort für mich prägendes Gefühl hat sich eingestellt. Hauptanlaufpunkt war damals natürlich der Naumburger Dom (oben links). Inzwischen habe ich manch anderen Dom gesehen oder nochmal gesehen, die riesigen offenen Räume sind immer wieder eindrucksvoll, aber Burgen und Schlösser interessieren mich mehr, keine Ahnung, wieso; vom Domschatz weiß ich nur noch, daß mich das Ausstellungsgewölbe faszinierte, die eigentliche Ausstellung eher nicht.

Wesentlich nachhaltiger wirkte auf mich das Museum „Hohe Lilie“ (oben rechts). Diesem Stadtmuseum gelingt, was nicht viele schaffen, nämlich einen lebendigen Eindruck der Geschichte zu vermitteln und der Stadt einen unverwechselbaren Charakter zu geben – danach sieht man die Straßen und Häuser tatsächlich mit anderen Augen. Auch bautechnisch ist der Museumskomplex ein kleines Wunderwerk, denn moderne Glaselemente sind so in die alte Bausubstanz verschachtelt, daß etwas völlig neues, sehr Sehenswertes entstanden ist, ohne das Erscheinungsbild des historischen Gebäudes zu zerstören.

Naumburg Nietzsche Haus Naumburg Nietzsche Denkmal

Eine Zufallsentdeckung führte mich nach einem Bummel über den Weihnachtsmarkt zu einem Besichtigungsziel, das mir bis heute am deutlichsten in Erinnerung geblieben ist: das Nietzsche-Haus (oben links) mit angeschlossenem Dokumentationszentrum, auf das ich durch das etwas saloppe Nietzsche-Denkmal auf dem Holzmarkt aufmerksam wurde. Friedrich Nietzsche verbrachte Kindheit und Jugend im Haus seiner Mutter in Naumburg und auch einige Jahre nach Beginn seiner Erkrankung. Einrichtungsgegenstände von damals gibt es in dem Haus nicht mehr, aber Werdegang und Werk des großen Philosophen werden anschaulich in Wort und Bild dokumentiert. Am stärksten haben sich mir die Schilderungen seines Niedergangs eingeprägt, vor allem, wie schwer es seine nicht gerade starke und gesunde Mutter mit ihm gehabt haben mußte, wenn Wahn-Anfälle ihn dazu brachten, so laut und ausdauernd zu brüllen, daß die Nachbarn im ganzen Viertel aufgeschreckt wurden. Schlichte weiße Außenmöbel markieren den Ort auf der Terrasse, wo er zu sitzen pflegte zu einer Zeit, in der er im ganzen Land gerade Ruhm erlangte, ohne selbst noch etwas davon mitzubekommen.

Bleibt noch zu erwähnen ein Versäumnis: Bei der Ankunft parkte ich in der Nähe des Marientors und wollte mir dieses hochinteressante Relikt der alten Stadtbefestigung für eine gründliche Besichtigung aufheben – von einem Rundgang durch die Stadt erhoffte ich mir nicht so viel, daß die Zeit dafür nicht reichen würde. Tatsächlich kam ich dann erst bei Dunkelheit zurück, habe daher von dem Tor nur ein einziges, nicht gerade gutes Foto von hinten, und der Museumsbereich war bereits geschlossen. Die eigentliche Besonderheit des Tores, seine Barbakane (vorgelagertes Verteidigungswerk), wie es sie in ganz Europa kaum noch zu finden gibt, kann nun einer der Gründe sein, irgendwann für einen zweiten Besichtigungsaufenthalt nach Naumburg zurückzukehren.

Naumburg Nietzsche Terrasse Naumburg Barbakane

Nachtrag: Inzwischen habe ich auf dem Weg nach Querfurt noch einmal in Naumburg Station gemacht und die Barbakane am letzten Öffnungstag dieser Saison besichtigen können.
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