Manfred Köhler
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Der Glückspilz von Schloß Molsdorf

Mit einem gigantischen Karrieresprung vom Sohn eines Kammerdieners hinauf zum Reichgrafen und Träger der höchsten Orden seiner Zeit sorgte im 18. Jahrhundert der gebürtige Gothaer Gustav Adolph von Gotter für Staunen. Dank seines diplomatischen Talents sicherte er sich die Gunst der mächtigsten Herrscher Europas, allen voran Augusts des Starken und Friedrichs des Großen. Neben seiner Intelligenz war von Gotter aber auch mit Glück gesegnet: Sein Traumschloß Molsdorf bei Erfurt konnte er sich dank eines Lotterie-Hauptgewinns so feudal einrichten, daß man bald von Klein-Sanssouci sprach. Mangels gekrönter Vorfahren protzte der Emporkömmling im Festsaal mit einer Ersatz-Ahnengalerie aus Porträts seiner Gönner – und verblüffte seine Gäste mit einem riesigen Deckengemälde, das mechanisch bis auf einen Meter über dem Fußboden abgesenkt werden konnte und sich auf der anderen Seite als gedeckte Tafel entpuppte. Als ihm nach 14 Jahren Luxusleben die Schulden über den Kopf wuchsen, gelang ihm noch einmal ein genialer Coup: Als Diplomat in eigener Sache handelte er beim Verkauf seines Schlosses nicht nur ein lebenslanges Wohnrecht aus, es stand ihm laut Vertrag auch eine tägliche Verköstigung in einem Umfang zu, daß heutzutage eine Familie davon satt werden könnte. Der Käufer hatte sich auf den Deal eingelassen, weil davon auszugehen war, daß von Gotter nicht allzu lange durchzufüttern sein wäre, lag er doch mit seinen 55 Jahren schon fünf Jahre über der damaligen Lebenserwartung. Doch der lebenslustige Reichsgraf  konnte die Früchte seines Verhandlungsgeschicks noch ganze 16 Jahre lang genießen.

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