Manfred Köhler
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Unterwegs im Lobensteiner Land: Von
versunkenen Dörfern und Grenzrelikten

Auf den ersten Blick ist von Lobensteins Burg nicht mehr allzu viel übrig: zwei Türme, einer davon nur noch halb. Der obere Turm, der Bergfried, ist allerdings ein Kracher. Mit 30 Metern Höhe gehört er zwar eher zu den mittelhohen Wachtürmen, aber er wirkt wuchtiger als mancher andere, was an der Mauerstärke an der Basis liegen mag: über drei Meter. Der Eingang lag, wie üblich, auf halber Höhe, so dass ein Zugang am Boden erst mühsam hinein gebrochen und gesprengt werden musste. Was dabei enstanden ist, kommt einem vor wie ein Höhleneingang, so grob ist der Durchschlupf und so massiv das Gestein.

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Der Aufstieg lohnt sich, denn die Aussicht über Bad Lobenstein ist grandios, vor allem aber bekommt man erst aus der Höhe einen Eindruck davon, wie raumgreifend die Burg einst war und wie sie sich gliederte. Die beiden Vorburghöfe und die Kernburg, von unten nicht zu erkennen, treten aus dieser Sicht klar hervor, und man ahnt die einstigen Mauerverläufe. Wie die Burg vor ihrer Zerstörung ausgesehen hat, das zeigt ein Modell im anderen bestehenden Turm. Auffallend sind die ehemaligen Ecktürme, insgesamt fünf an der Zahl, und der stark eingeschränkte Bereich der Kernburg.

So faszinierend die Burg einst war, dass nach dem 16. Jahrhundert niemand mehr da oben leben wollte, kann man bei einem Besuch im Winter verstehen. Ständig pfeifen eisige Winde um den Burgberg, und abgesehen von der Kälte kann einen schon allein das ununterbrochene Heulen wohl mit der Zeit verrückt machen.

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Wurde die Burg nach und nach freiwillig aufgegeben, so finden sich ein paar Kilometer östlich von Lobenstein die Reste einer Siedlung, aus der die Bewohner unter staatlichem Druck weichen mussten: Die Ortschaft Gottliebstal wurde, nach Abriss der Häuser, beim Anstauen des Bleilochstausees 1932 überflutet, aber kommt in manchen Wintern, wenn das Wasser weit genug abgelassen wird, wieder zum Vorschein. Man findet Relikte wie Steinfußböden, Ofenplatten oder Straßenverläufe, vor allem aber den Stumpf einer halben Brücke, die man so stehen ließ, wie sie war. Sobald sie aus dem Wasser tritt, kommen Angler in Scharen und versuchen hier, gut vier Meter unter dem sonstigen Wasserspiegel ihr Glück. Die neue Brücke wirkt im Vergleich zu dem alten Brücklein schier gigantisch. Sehenswert sind oben am Parkplatz die großflächigen Bildtafeln mit historischen Aufnahmen, auf denen das damals so idyllische Gottliebstal mit dem verglichen werden kann, was übrig geblieben ist. Einzigartig ist eine Momentaufnahme, auf der die Sprengung des vorderen Brückenteils im Bild festgehalten wurde. Die Häuser stehen noch, die neue Brücke schon. Wäsche flattert im Wind. Eine Übergangszeit, die wohl besonders schmerzlich für die Bewohner gewesen sein musste.

Wer nach Erkundung dieses Ortes noch nicht genug hat von alten Überbleibseln, der kann im nahen Sparnberg auf Spurensuche gehen. Von der einstigen Grenzfestung findet man zwar nur noch spärliche Reste, aber die regen durchaus die Fantasie an. So ragt neben dem einzigen verbliebenen Mauerstück ein kegelförmiger Berg in die Höhe, der irgendwie nicht natürlichen Ursprungs zu sein scheint. Klettert man hinauf, schaut man in eine kreisrunde, gemauerte Vertiefung. Leider fehlt es an erklärenden Tafeln, aber angesichts der Höhe hat man hier wohl kaum einen Brunnen vor sich, sondern den Bergfried, und das hieße dann: Fünf bis zehn Meter des Turms dürften noch, vermutlich intakt, in der kegelförmigen Erhöhung stecken.

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Direkt auf dem Burggelände findet man außerdem Relikte der einstigen DDR-Grenzbefestigung. Die zeitlich weit auseinander liegenden Überbleibsel zeugen von zwei Epochen, in denen Sparnberg Ende der Welt war. Fernab vom Schuss ist es immer noch, wenn auch direkt an der A9 gelegen, aber die Bewohner können in alle Richtungen davon. Eine Holzbrücke über die Saale, nach der Wende neu gebaut, zeigt schon wieder massive Spuren von Verwitterung. Das Nebeneinander der Zeugnisse radikalen Wandels wirft Fragen auf, die in die Zukunft weisen. Die scheint aus unserer Perspektive relativ frei von der Gefahr großer Umbrüche, aber das schien sie früher wohl auch...

Vorschau: Burgmuseum Parsberg: Der Schädel des Ritters (erscheint am 14.12.12)

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