Manfred Köhler
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Der Untergang des Römerkastells Pfünz:
Kettensträfling lebendig verbrannt

Diesen Ausflugstipp muss ich von hinten aufzäumen. Das Römerkastell Pfünz im Landkreis Eichstätt war meine letzte Tagesstation an diesem Ausflugssonntag. Zuvor war ich in Eichstätt und auf der Willibaldsburg. Die Funde im Römermuseum der Burg ließen mich relativ kalt. Erst später am Kastell, wo sie einst ausgegraben worden waren, bekamen sie eine Bedeutung und hätten mich nun so richtig interessiert. Deshalb kann ich jedem Eichstätt-Besucher nur empfehlen: Steuern Sie zuerst das Kastell an und lassen Sie dessen Geschichte und Geschichten auf sich wirken – Sie werden dann die Funde im Museum auf der Willibaldsburg mit ganz anderen Augen betrachten.

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Denn alte Pötte und Speerspitzen sind für sich betrachtet nun mal nicht besonders spannend. Erst das Schicksal der Menschen, die sie einst benutzten, macht sie interessant. Dieses Schicksal wird dank zahlreicher Infotafeln am Kastell lebendig, im Museum eher nicht – so zumindest empfand ich es. Das hat auch mit der Geschichte des Untergangs zu tun, der bis heute ungeklärt ist: Mutmaßlich vor 1.700 Jahren wurde das Kastell dem Erdboden gleichgemacht, und zwar für die Besatzung so überraschend, dass sie nicht mal mehr zu den Waffen greifen konnte. Ein Gefangener verbrannte dabei qualvoll, seinen Unterschenkel fand man noch in der Fußkette steckend. Ein Hinweis zu den Bildern: Die Nachbauten des Kastells auf den alten Grundmauern gelten aus Expertensicht als allzu fantasievoll und nicht unbedingt gelungen – authentisch dagegen ist ein verbliebenes Bodendenkmal, das auf dem rechten Bild zu erkennen ist, der Original-Doppelgraben am Nordwest-Turm.

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Bei aller Begeisterung über das Kastell, auch über die Willibaldsburg gibt es eigentlich nur Positives zu sagen. Die Museen sind Wohlfühlräume und glänzen durch Anschaulichkeit. Ich hielt mich dort so lange auf, dass ich zu meinem großen Bedauern die kostenlose Nachmittagsführung schmeißen musste, sonst hätte ich es nicht mehr zum Kastell geschafft. Hervorzuheben im Naturkundemuseum sind der Spiegelkomplex an einem Videomonitor (rechts), der einem die eigene Person von allen Seiten gleichzeitig vor Augen führt...

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...und die lebensgetreuen Nachbildungen ausgestorbener Arten, wobei die Fische in der Luft hängen und den Eindruck vermitteln, als würde man am Boden eines gigantischen Aquariums herumlaufen.

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Empfehlen kann ich außerdem den Rundweg um die Willibaldsburg, der einen Eindruck von der Größe und Wehrhaftigkeit der Anlage vermittelt. Eine der gigantischen Bastionen spießt aus dem Waldboden wie der Bug einer gestrandeten Titanic, Kasematten gewähren freien Einblick, und die tunnelartige Tordurchfahrt übertrifft in ihrer Länge so ziemlich alles, was ich bisher gesehen habe, und gibt einem unterwegs das Gefühl, lebendig begraben zu sein. Abschließend noch ein paar Worte zu Eichstätt selbst: nettes Städtchen, sehenswerte Gebäude, aber außer dem Dom nichts, was zu einer längeren Besichtigung einlädt. Die Fürstbischöfliche Residenz hätte mich interessiert, aber die hat ausgerechnet sonntags geschlossen.

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