Manfred Köhler
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Dokumentationszentrum
Reichsparteitagsgelände Nürnberg

Wer sich schon mit der Zeit zwischen 1933 und 1945 auseinandergesetzt hat, wird im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg in allgemeiner Hinsicht nicht allzu viel Neues erfahren. Trotzdem spricht einiges für einen Besuch dort. Denn die Dauerausstellung informiert nicht nur, sie wirft hinein. Der verwinkelte Rundgang durch den Rohbau führt vorbei an Kinoleinwänden, Animationen, Riesenbildschirmen und Exponaten. Düstere Soundeffekte untermalen die beklemmende Atmosphäre aus rot-schwarzer Düsternis, und am Ende bekommt man das verstörende Gefühl, diese Zeit tatsächlich mitgemacht zu haben.

Im Mittelpunkt der Schau stehen die Nürnberger Monumentalbauten und natürlich die Reichsparteitage. Neu für mich war ein Aspekt, der eigentlich naheliegt, aber mir aufgrund der Propaganda nie in den Sinn kam: Diese Großveranstaltungen waren nur vordergründig perfekt inszeniert – hinter den Kulissen ging es ganz anders zu. Mangels Schlafplätzen, Toiletten und einer angemessenen Abfallbeseitigung wurde in Fabrikhallen auf Stroh gepennt, in die Büsche gemacht und das Areal großflächig zugemüllt. Beanstandet wurde damals auch, dass viele Besucher sich mehr für die Dirnenmeile als das Parteitagsprogramm interessierten. Das alles passte freilich so gar nicht zu dem Bild, das die Veranstalter gern insgesamt vermittelt hätten.

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Im Ausgangsbereich wird der Besucher dann mit den Folgen von Krieg und Völkermord konfrontiert, mit Chaos und totaler Zerstörung. In den Bereich Aufarbeitung und Neuanfang fallen die Nürnberger Prozesse. Hier wird so manches gezeigt, was man eher noch nicht gesehen hat, darunter Fotos der hingerichteten Kriegsverbrecher. Das Bild des toten Göring ist ja bekannt, aber die Leichen der auf ihren Särgen liegenden Erhängten, die teils noch die Stricke um die Hälse haben und aus den Augen bluten, lassen den Aspekt Schuld und Sühne erst so richtig eindringen und nachwirken.

Entlassen wird der Besucher mit einem Blick auf das Innenrund der für 50.000 Menschen konzipierten, wegen des Krieges unvollendet gebliebenen Kongresshalle. Nachdem man zwei Stunden lang durch ein Labyrinth aus Gängen geirrt ist, werden einem hier die Dimensionen mit einem Blick vor Augen geführt – denn der Bereich des Dokumentationszentrums umfasst vielleicht gerade mal ein Zehntel des Gesamtbauwerks.

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Vorschau:
Warum das Beatles-Museum in Halle zu finden ist (erscheint am Freitag, 11. Januar 2013).

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